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© Rottkay

Gast des ilb 2020.

Bibliographie

Treiben lassen

Aladin

Stuttgart, 2020 [Ü: NN]

Peter Van den Ende [ Belgien ]

Peter Van den Ende wurde 1985 in Antwerpen geboren. Bereits als Schüler beschäftigte er sich intensiv mit Kunst und erlernte verschiedene gestalterische Techniken. Nach dem Abitur studierte er zunächst Biologie, doch setzte sich seine Leidenschaft für das Zeichnen schließlich durch. Auch war es der visuelle Reichtum der Natur, der in dem Künstler Staunen auslöste und ihm zur Inspirationsquelle wurde. Seine Zeichnungen sind äußerst detailliert, spielen mit Symbolen und Konnotationen, drängen den Betrachter*innen jedoch nie eine eindeutige Interpretation auf.

An seinem viel beachteten schriftstellerischen Debüt »Zwerveling« (2018; dt. »Treiben lassen«, 2020) arbeitete er drei Jahre lang. Der Samen für dieses Buch wurde bereits in seiner Schulzeit gelegt, als er mit elf Jahren in der Schulbibliothek die Bücher von Jules Verne mit den Originalstichen von Édouard Riou und Alphonse de Neuville entdeckte. Wie diese gestaltete Van den Ende in »Zwerveling« die wunderliche Wasserwelt in Schwarz und Weiß. Prägend für die visuelle Gestaltung dieses Buches, das ohne Worte auskommt, war außerdem Van den Endes Zeit auf den Kaimaninseln, wo er zwei Jahre als Naturguide arbeitete und viele Eindrücke fotografisch festhielt. Zu sehen ist mitten im Pazifik ein Papierboot, das zu einer langen Reise aufgebrochen ist und auf die seltsamsten Wesen trifft. Es kommt an hochgewachsenen Mangroven vorbei, muss einem Sturm trotzen, trifft auf fantastische Seemonster, passiert eine riesige Bohrinsel, wird von Robben umspielt und von einem U-Boot vor dem Untergang bewahrt. Schließlich erreicht es eine Stadt, wo sein Passagier auf einen Steg tritt. In der visuellen Symbiose der klaren Einfachheit des Papierboots und der üppigen Fantasiewelt navigieren die Leser*innen durch Schein und Sein, durch Schönheit und Bedrohung. »Ich habe einmal gehört, dass ein Künstler Lügen erzählt, um die Wahrheit zu zeigen. Dem kann ich zustimmen. […] Der gigantische Aal, auf den das Boot irgendwann trifft, dieser Aal, der so groß ist, dass er bis zum Horizont reicht, das ist eine Art lebendiges Labyrinth, wie das Leben selbst. […] Wahrheit und Lüge gehen in diesem Buch mehr oder weniger eine symbiotische Beziehung ein.« Derzeit sind neben der deutschen spanische, katalanische, französische, englische und amerikanische Ausgaben dieses Werks in Vorbereitung.

Peter Van den Ende lebt in Antwerpen.