Porträt Sainz Borgo
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2019.

Bibliographie

Tráfico y Guaire, el país y sus intelectuales
Fundación para la Cultura Urbana
Los Palos Grandes, 2007
Caracas Hip Hop
Fundación Chacao
Caracas, 2007
Nacht in Caracas
Fischer
Frankfurt a. M., 2019
[Ü: N. N.]

Karina Sainz Borgo [ Venezuela, Spanien ]

Karina Sainz Borgo wurde 1982 in Caracas geboren. Sie studierte Sozialwissenschaften an der Universidad Católica Andrés Bello, emigrierte 2006 nach Spanien, erlangte 2007 ihren Master in Kommunikation und Kunst an der Universidad Complutense und studierte bis 2009 Journalismus an der Universidad CEU San Pablo in Madrid. Nachdem sie eine Zeit lang für die spanische Zeitung »El Mundo« gearbeitet hatte, wechselte sie zu »El Papel Literario«, der Literaturbeilage der venezolanischen Zeitung »El Nacional«. Ab 2011 war sie auch Kulturjournalistin bei »Vozpópuli.com«, einer digitalen Zeitung, die während der spanischen Wirtschaftskrise entstand und nach wie vor eine wichtige Referenz für Finanzinformationen ist. Außerdem arbeitet sie für »Zenda Libros«, ein literarisch-journalistisches Projekt, das 2017 von Arturo Pérez-Reverte ins Leben gerufen wurde.

2007 veröffentlichte sie »Tráfico y Guaire, el país y sus intelectuales« (Ü: Der Handel und der Guaire, das Land und seine Intellektuellen), einen Band mit vier Reportagen über die Situation von Intellektuellen und Künstlern in Venezuela nach 1982. Im selben Jahr erschien auch »Caracas Hip Hop«, eine Recherche zu einer wichtigen Form des künstlerischen und sozialen Ausdrucks der venezolanischen Jugend. Ihre jahrelange Auseinandersetzung mit der Situation in ihrem Heimatland floss schließlich auch in den Roman ein, mit dem sie 2019 debütierte. In »La hija de la española« (dt. »Nacht in Caracas«, 2019) zeichnet Sainz Borgo die Geschichte Venezuelas und seiner Gesellschaft nach. Die 38-jährige Adelaida Falcón lebt nach dem Tod ihrer Mutter isoliert in Caracas, dessen Alltag von Gewalt und Existenzkampf geprägt ist. Jede Nacht verklebt sie die Fenster, damit das Tränengas, das gegen die Demonstranten in den Straßen eingesetzt wird, nicht in ihre Wohnung dringt. Schließlich brechen Plünderer, die sich als Revolutionäre verkleidet haben, bei ihr ein, und Adelaida klopft an die Tür ihrer Nachbarn, ohne eine Antwort zu erhalten: Aurora Peralta, die von allen die »Tochter des Spaniers« genannt wird, ist gestorben. Adelaida findet einen Brief mit einer Benachrichtigung über den Erhalt eines spanischen Passes vor. Sie muss also »nur« die auf dem Fußboden liegende Leiche beseitigen und deren Identität annehmen, um einen Ausweg aus der Hölle zu finden. Das Medienecho auf ihr Romandebüt in Spanien war enorm, die Rechte wurden in mehr als zwanzig Länder verkauft.
Zu Sainz Borgos literarischen Vorbildern gehören Gustave Flaubert, John Fante, Vladimir Nabokov, Elisa Lerner, Miya Vestrini, Natalia Ginzburg, Thomas Bernhard, Philip Roth und J. M. Coetzee. Ihr Schreiben wurde insbesondere von Jaime Gil de Biedma beeinflusst, aber auch vom spanischen Chronisten des 19. Jahrhunderts Mariano José Larra. Karina Sainz Borgo lebt in Madrid.