Don Mee Choi
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2019.

Bibliographie

The Morning News is Exciting
Action Books
Notre Dame, IN, 2010
Petite Manifesto
Vagabond Press
Sydney/Tokio, 2014
Freely Frayed
Wave Books
Seattle, 2014
Hardly War
Wave Books
Seattle/New York, 2016
DMZ Colony
Wave Books
Seattle/New York, 2020
www.donmeechoi.com

Don Mee Choi [ Südkorea, USA ]

Die Lyrikerin und Übersetzerin Don Mee Choi wurde 1962 in Seoul geboren, während der von den USA gestützten Militärdiktatur von Park Chung-hee. Choi wuchs später auch in Hongkong auf und siedelte schließlich in die USA über, heute lebt sie in Seattle.
Die Spaltung Koreas und die daraus resultierenden Identitätsprobleme sind ein Grundthema von Chois lyrischem Schaffen. 2010 debütierte sie mit dem Band »The Morning News is Exciting«, dessen Gedichte die eigene und die nationale Identität sowie die Erkundung von militärischer Gewalt, Entwurzelung und Erinnerung in den Mittelpunkt stellen. Nach den Streitschriften »Petite Manifesto« und »Freely Frayed« (beide 2014) erschien 2016 »Hardly War«, ein Buch mit Mixed-Media-Lyrik und Prosa im thematischen Spannungsfeld zwischen dem Erbe des Koreakriegs und ihrer Familiengeschichte sowie mit Fotografien aus dem Korea- und dem Vietnamkrieg von Chois Vater, einem Kriegsfotografen. Choi bringt in diesem Buch mit Witz und Wut ihren Schmerz über die Situation in Korea zum Ausdruck. In »A Little Menu« beispielsweise stellt sie, ausgehend von einer Liste mit Lebensmitteln, die Frage, ob der von den Amerikanern »Fatty« genannte südkoreanische General Chae Pyong-dok die traditionelle koreanische Küche oder nicht vielmehr die Rationen der GIs bevorzuge. Im Abschnitt »Refugee Girl / Daisy Girl« stellt Choi das Foto eines nordvietnamesischen Flüchtlingsmädchens einem »Daisy Girl« aus der Werbekampagne von Lyndon B. Johnson aus seinem Wahlkampf gegen Barry Goldwater 1964 gegenüber. Das Buch endet mit einem Opernlibretto, das auf Interviews von Choi mit ihrem Vater basiert und in dem die Hauptfigur Camera Elmar heißt, nach der bevorzugten Kamera des Vaters. Blumen kommt hier eine besondere Bedeutung zu, nämlich als ein Chor von Stimmen unter dem Einfluss des Kriegsgeschehens. »Chois verrückter Umgang mit Militarismus und koreanischer Diaspora mag absurd wirken, aber es ist ein einfallsreicher und tollkühner Walzer, der das auf den Kopf stellt, was allgemein als ›vergessener Krieg‹ bezeichnet wird« (»Publishers Weekly«).
Don Mee Choi ist außerdem als Übersetzerin zeitgenössischer koreanischer Lyrikerinnen bekannt. Sie erhielt 2012 den Lucien Stryk Asian Translation Prize und war 2015 mit ihrer Übersetzung von Kim Hyesoons »Sorrowtoothpaste Mirrorcream« Finalistin für den PEN Poetry in Translation Award. Für ihr eigenes Schaffen wurde Choi mit dem Whiting Award 2011 und dem Lannan Literary Fellowship Award 2016 ausgezeichnet. Ihre Übersetzungen und Gedichte erscheinen zudem in Zeitschriften wie »Granta«, »The Margins«, »Bomb« und »Modern Poetry in Translation«. Außerdem übersetzt sie für das International Women’s Network Against Militarism. 2019 ist sie Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.