Alex Wheatle Portrait
© Leo Zimmermann

Gast des ilb 2019.

Bibliographie

Brixton Rock

Black Amber

London, 1999

East of Acre Lane

Fourth Estate

London, 2001

The Seven Sisters

Fourth Estate

London, 2002

Island Songs

Allison & Busby

London, 2005

The Dirty South

Serpentʼs Tail

London, 2008

Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton

Kunstmann

München, 2018

[Ü: Conny Lösch]

Die Ritter von Crongton

Kunstmann

München, 2019

[Ü: Conny Lösch]

Wer braucht ein Herz, wenn es gebrochen werden kann

Kunstmann

München, 2019

[Ü: Conny Lösch]

Alex Wheatle [ Großbritannien ]

Alex Wheatle wurde 1963 als Sohn jamaikanischer Eltern in britischen Brixton geboren und wuchs größtenteils in einem Kinderheim auf. Mit 16 gründete er ein Soundsystem. Anfang der achtziger Jahre lebte er in einer Herberge des Sozialdienstes und wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wegen seiner Teilnahme an den Brixton Riots 1981. Durch einen Zellengenossen fand er einen Zugang zur Literatur, las vor allem Autoren wie John Steinbeck, Richard Wright und C. L. R. James. Dann fing er auch selbst mit dem Schreiben an, zunächst über den Alltag in Brixton. Er veröffentlichte mehrere Romane, bevor er sich der Jugendliteratur zuwandte.

Zwischen 2015 und 2017 erschien seine Jugendbuchserie, die in einem fiktiven Viertel namens Crongton spielt – einem sozialen Brennpunkt, wo Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung sind. Im Teenagerroman »Liccle Bit« (2015; dt. »Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton«, 2018) wird der 14-jährige Lemar, wegen seiner Körpergröße »Liccle Bit« genannt, in einen Bandenkrieg in seinem Viertel verwickelt. Es braucht einige Zeit und viel Mut, bis er sich gegen den gewalttätigen Anführer der Gang zur Wehr setzt. Wheatle zeichnet seine Figuren äußerst nuanciert und verfällt nicht in bekannte Klischees. Spannende Passagen wechseln einander mit Komik und Tragik ab. Wheatle nutzt die Register von Jugendsprache und Slang, was den Text authentisch wirken lässt, und er zeigt auch die ambivalente Gefühlswelt von Liccle Bit, der keineswegs ein Held ist, sondern ein normaler Teenager, der mit den Schwierigkeiten seines Alters zu kämpfen hat: »Ich merkte, wie mein Herz sich wie ein aufblasbarer Strandball im Swimmingpool wieder an die Oberfläche poppte.« Der Roman war 2016 für die Carnegie Medal nominiert. Auch »Crongton Knights« (2016; dt. »Die Ritter von Crongton«, 2019) spielt in dem verwahrlosten Vorort, dessen Bewohner von Gangstern bedroht werden. Wheatle greift auf das Figurenarsenal des Vorgängerromans zurück, aber diesmal erzählt er aus der Perspektive eines Jungen namens McKay, der wegen seiner Körperfülle ständig verspottet wird. Seine Mutter ist gestorben, sein Vater hat Spielschulden, und dann gerät er mit seinen Freunden auch noch zwischen die Fronten der Gangs. Das mit dem 50. Guardian Childrenʼs Fiction Prize ausgezeichnete Buch wurde dafür gelobt, dass es die Situation in vielen Städten weltweit spiegelt. »Straight Outta Crongton« (2017; dt. »Wer braucht ein Herz, wenn es gebrochen werden kann«, 2019) schließlich handelt von einer ersten Liebe unter schwierigen Verhältnissen und wird aus der Perspektive der 15-jährigen Mo erzählt.

Wheatle, dessen Bücher ins Deutsche, Französische, Italienische, Walisische und Japanische übersetzt wurden, erhielt u. a. 2008 den Order of the British Empire für Verdienste um die Literatur. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet er Kreatives Schreiben an Schulen. Er lebt in London.