Portrait Aciman
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2019.

Bibliographie

Damals in Alexandria
Hanser
München, 1996
[Ü: Matthias Fienbork]
Hauptstädte der Erinnerung
Von Alexandria nach New York
Hanser
München, 2004
[Ü: Matthias Fienbork]
Ruf mich bei deinem Namen
Kein & Aber
Zürich, 2008
[Ü: Renate Orth-Guttmann]
Acht helle Nächte
Kein & Aber
Zürich, 2010
[Ü: Renate Orth-Guttmann]
Mein Sommer mit Kalaschnikow
Kein & Aber
Zürich, 2014
[Ü: Verena Kilchling]
Enigma Variations
Farrar, Strauss and Giroux
New York, 2017

André Aciman [ Ägypten, USA ]

Der US-amerikanische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler André Aciman wurde 1951 im ägyptischen Alexandria geboren. Er entstammt einer Familie sephardischer Juden italienischer Abstammung und wuchs in einer vielsprachigen Umgebung auf, wobei das Französische dominierte. Zwar wurde seine Familie Mitte der 1950er Jahre von den Vertreibungen aus Ägypten verschont, doch neun Jahre später siedelte der 14-jährige Aciman aufgrund der antisemitischen und antieuropäischen Politik Gamal Abdel Nassers mit seiner Familie nach Italien über. Mit 17 Jahren ging er nach New York, studierte am Lehman College und erhielt seinen Master und seinen Doktortitel an der Harvard University. Er wurde Professor für Romanistik an der Princeton University, lehrte am Bard College und danach am Graduiertenkolleg der City University of New York. Als Literaturwissenschaftler lag sein Schwerpunkt bei der französischen Literatur des 17. Jahrhunderts, zudem forschte er über Marcel Proust und die neuere französische Memoirenliteratur.

1995 erschienen seine Erinnerungen »Out of Egypt« (dt. »Damals in Alexandria«, 1996), für die Aciman den Whiting Writers’ Award erhielt. Darin geht er zurück in die Zeit, in der seine Familie Alexandria verlassen musste, und verbindet persönliche Geschichte mit den politischen Verwerfungen jener Zeit. Daraus ergibt sich nicht nur eine eindrucksvolle und figurenreiche Kindheitserzählung, sondern auch ein Beitrag zur Forschung über die Kultur der Juden im postkolonialen Ägypten. In »False Papers« (2000; dt. »Hauptstädte der Erinnerung. Von Alexandria nach New York«, 2004), das Aciman als stilsicheren Essayisten und Reiseautor sowie Proust-Kenner zeigt, porträtiert er Städte seines Exils, ausgehend von Alexandria über Rom, Paris bis nach New York. Zudem klingt hier das Motiv des Verlusts von Heimat und Zugehörigkeit an sowie das der unstillbaren Sehnsucht nach einem Ort, an dem man gerade nicht ist. Außerdem veröffentlichte Aciman bis heute vier Romane. »Call Me by Your Name« (2007; dt. »Ruf mich bei deinem Namen«, 2008) beschreibt die Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Männern im Italien der 1980er Jahre. Rückblickend erzählt der mittlerweile in den USA lebende Elio Perlman, wie er sich als damals 17-Jähriger in den sieben Jahre älteren Sommergast der Familie verliebte. Der Roman, der 2017 von Luca Guadagnino verfilmt wurde, erhielt einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch. »Acimans erster Roman stellt ihn als scharfsinnigen Grammatiker der Sehnsucht dar« (»New Yorker«). Auch Acimans jüngster Roman »Enigma Variations« (2017) handelt von der Fragilität geschlechtlicher Identität, den Untiefen der Leidenschaft und der Rätselhaftigkeit des eigenen Ichs.
Acimans Essays erschienen in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften wie »New York Times«, »The New Yorker«, »The New Republic« and »The New York Review of Books«. Er lebt in New York.