Portrait Marasco
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Gli strumenti scordati
Nuovedizioni E. Vallecchi
Florenz, 1977
Deus Inversus
Lacaita
Manduria, 1980
Le fate e i detriti
Lacaita
Manduria, 1988
Voc e Poè
Campanotto
Pasian di Prato, 1997
La fatica dello stormo
La vita felice
Mailand, 2013
Madre e figlia
Ripostes Scuola
Salerno, 1994
L’arciere d’infanzia
Manni
Lecce, 2003
Il genio dell’abbandono
Neri Pozza
Mailand, 2015
Am Hügel von Capodimonte
Zsolnay
Wien, 2018
[Ü: Annette Kopetzki]

Wanda Marasco [ Italien ]

Wanda Marasco wurde 1953 in Neapel geboren. Sie studierte Philosophie und besuchte Regiekurse an der Accademia Nazionale d’Arte Drammatica Silvio D’Amico in Rom. Als 1977 ihre erste Gedichtsammlung »Gli strumenti scordati« (Ü: Die verstimmten Instrumente) erschien, wurde sie als interessante neue Stimme der italienischen Lyrik gefeiert und erhielt 1978 den Lyrikpreis William Blake. Während ihrer Zeit in Rom schrieb sie außerdem eine eigene Version von Goethes »Faust« mit dem Titel »La Strada dell’Abbondanza« (Ü: Straße der Fülle), die von Regisseuren wie Aldo Trionfo inszeniert und u. a. beim Festival dei Due Mondi in Spoleto 1982 gezeigt wurde. In den folgenden Jahren publizierte sie weitere Gedichtbände wie »Voc e Poè« (1997), für den sie den Premio Montale erhielt.

2003 veröffentlichte Marasco ihren ersten Roman »L’arciere d’infanzia« (Ü: Der kindliche Schütze), in dem sie drei tragikomische Geschichten, die in Neapel spielen, miteinander verwebt. Ihr zweiter Roman »Il genio dell’abbandono« (tr. Der Geist der Preisgabe) wurde 2015 für den Premio Strega und den Premio Viareggio nominiert. Die Umsetzung als Theaterstück (Teatro Stabile, Neapel, 2016/17) erhielt den Preis Maschere del teatro italiano in der Kategorie Bester Newcomer. In ihrem Familienroman »La compagnia delle anime finte« (2017; dt. »Am Hügel von Capodimonte«, 2018), ebenfalls für den Premio Strega nominiert, porträtiert Wanda Marasco wiederum ihre Heimatstadt Neapel, sowohl die Armen- als auch die Reichenviertel. Im Mittelpunkt der Handlung steht Rosa, die am Totenbett ihrer Mutter Vincenzina sitzt und im Zwiegespräch mit ihr deren Lebensgeschichte rekapituliert. Vincenzina kam als Analphabetin vom Land, floh in die Großstadt und traf im Frühjahr 1946, als die Stadt in Trümmern lag, auf Rafele, den Sohn aus einer großbürgerlichen Familie. Rafeles Mutter versuchte diese unerwünschte Liebesbeziehung zu unterbinden, indem sie Vincenzina Geld anbot – als Entschädigung für den zurückgenommenen Heiratsantrag. Aber Vincenzina blieb an Rafeles Seite, trotz seiner ständigen Affären. Ihre Tochter Rosa wuchs im Armenviertel von Neapel, dem Rione Sanità, auf und musste angesichts des harten Alltags rasch erwachsen werden. Als Rafele schließlich an Krebs erkrankte, musste Vincenzina Schulden machen, um die Medikamente bezahlen und nach seinem Tod sich und Rosa versorgen zu können. Der Roman ist nicht chronologisch erzählt, sondern die Handlung setzt sich aus verschiedenen Fragmenten nach und nach zusammen. Der Roman wurde ins Deutsche, Spanische und Norwegische übersetzt.

2011 beteiligte sich Marasco am Beckett-Festival »Catastrophe«, das von der Akademie für Theater und Kino der Europäischen Union »Eutheca« organisiert wurde. Außerdem war sie Dozentin für Literatur und Theaterkritik an der Università degli Studi di Napoli Federico II. in Neapel, wo sie heute als Schriftstellerin und Theaterregisseurin lebt.