Gast des ilb 2018.

Bibliographie

L’Échappée belle
[Mit Al de Pierpont]
Futuropolis
Paris, 1986
Tufo
[Mit Stefano Ricci]
Amok
Montreuil, 1996
Sablier
[Mit Merkeke]
Pyramides
Paris, 2000
Alberto G.
[Mit Éric Lambé]
Frémok
Brüssel, 2003
La pluie
[Mit Éric Lambé]
Casterman
Paris/Brüssel, 2005
Un voyage
[Mit Éric Lambé]
Futuropolis
Paris, 2008
Paysage après la bataille
[Mit Éric Lambé]
Frémok/Actes Sud
Brüssel/Paris, 2016

Philippe de Pierpont [ Belgien ]

Philippe de Pierpont, geboren 1955 in Brüssel, widmete sich nach seinem Studium der Kunstgeschichte und der Archäologie sowie Kursen in Theater, Film und Video einem vielfältigen Tätigkeitsspektrum: Er ist Dokumentarfilmer und Spielfilmregisseur, Comic- und Drehbuchautor. In den neunziger Jahren realisierte er ein Dutzend preisgekrönter Dokumentarfilme, die auf zahlreichen Festivals gezeigt wurden. 1999 entstand sein erster Kurzfilm »L’héritier«, der es 2009 in die Auswahl für die Filmfestspiele in Venedig schaffte. In seinem ersten Spielfilm »Elle ne pleure pas, elle chante« (2011) nach dem autobiografischen Buch von Amélie Sarn behandelt er das Thema Inzest, in »Welcome Home« (2015) erzählt er von zwei Teenagern, die von zu Hause ausbrechen und sich auf eine gefährliche Reise begeben. In seinem geplanten dritten Spielfilm will sich Pierpont thematisch dem komplexen Erbe der belgischen Kolonialmacht in Afrika zuwenden.

Als Comic-Autor arbeitete er zunächst mit Stefano Ricci (»Tufo«, 1996), Merkeke (»Sablier«, 2000) und schließlich mit Eric Lambé zusammen. Ihre Graphic Novel »Alberto G.« (2003) stellt den Künstler Alberto Giacometti vor: Chronologisch wird seine Suche nach dem perfekten menschlichen Abbild in seinen Figuren mitverfolgt, bis ihm schließlich eine Todesvision die entscheidende Inspiration liefert. Pierpont hat für dieses Buch eine knappe, pointierte Sprache gewählt. Ihre darauffolgende Publikation »La pluie« (2005; Ü: Der Regen) erzählt von einem Rettungsschwimmer und einer in Nachtschichten arbeitenden Hebamme, deren Liebe in einem unaufhörlichen Regen zu ertrinken oder sich aufzulösen scheint. »Un voyage« (2008; Ü: Eine Reise) ist die Geschichte eines jungen Mannes mit einer rezidivierenden Leukämieerkrankung, der angeblich nur noch wenige Wochen zu leben hat und mit einem streunenden Hund zu einer letzten Reise nach Belgien aufbricht, zermürbt von Angst, Unsicherheit und getragen von dem unbedingten Wunsch zu leben. In ihrer jüngsten Graphic Novel »Paysage après la bataille« (2016; Ü: Landschaft nach der Schlacht), für die Pierpont und Lambé auf dem Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême 2017 den Prix du meilleur album erhielten, steht eine gebrochene Frau im Mittelpunkt, die ihr Kind verloren hat, vor sich selbst und ihrem Schmerz davonläuft und sich mitten im Winter auf einem entvölkerten Campingplatz versteckt. Sie trifft auf ein älteres Ehepaar, einen düsteren Holzfäller und den Leiter des Campingplatzes, und jeder von ihnen hat ein emotionales, soziales oder pekuniäres Problem, ist gescheitert und hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen. »Paysage après la bataille« ist ein zutiefst melancholisches Buch, das auf sprachlicher Ebene mit nur wenigen Dialogen auskommt, was dem Verlust des Kommunikationsvermögens der Protagonistin durch das traumatische Ereignis entspricht.

Philippe Pierpont lebt in Belgien.