Portrait Júdice
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

A Noção do Poema
Dom Quijote
Lissabon, 1972
As Regras da Perspectiva
Quetzal
Lissabon, 1990
Meditação sobre Ruínas
Quetzal
Lissabon, 1995
A Matéria do Poema
Assírio & Alvim
Lissabon, 2008
O Mito da Europa
Dom Quijote
Lissabon, 2017

Nuno Júdice [ Portugal ]

Nuno Júdice wurde 1949 in Mexilhoeira Grande an der portugiesischen Algarve geboren. Er studierte romanische Philologie und promovierte in Mediävistik an der Fakultät für Sozial- und Humanwissenschaften der Universidade Nova de Lisboa, wo er bis 2015 als außerordentlicher Professor französische und portugiesische Literatur lehrte.
Seine ersten Gedichte verfasste Júdice mit acht Jahren. 1972 debütierte er mit dem Gedichtband »A Noção do Poema« (Ü: Der Begriff des Gedichts), dem bis heute mehr als dreißig Lyrikbände folgten. Bereits in seinem Debüt klingen die wichtigsten Themen an, mit denen sich Júdice in seinem poetischen Werk beschäftigen wird: Experimente mit sprachlichen und stilistischen Elementen, Reflexionen über die Literatur und deren Interaktion mit anderen Künsten, philosophische Betrachtungen. Trotz der offensichtlichen Prägung seiner Generation durch den Strukturalismus und zahlreichen literarischen, kunstgeschichtlichen, philosophischen und geografischen Bezügen sind Júdices Gedichte mehr als eine intellektuelle Übung, denn sie weisen eine große Lebensnähe auf. »Meine Lyrik ist zutiefst visuell. Ausgangspunkt für die Komposition eines Gedichts ist die Erinnerung an ein Wesen oder Objekt – ein Gesicht, ein Körper, die Natur, die Stadt oder eine vertraute Landschaft. Es gibt etwas Fotografisches oder Illustratives im poetischen Bild, das sich mit dem musikalischen Verständnis von Sprache vermischt und damit das Gedicht zu einer Synthese von verschiedenen Ebenen werden lässt – der Welt, der Subjektivität, dem Wort selbst.« Júdice ist neben seinem lyrischen Schaffen auch Autor von Romanen, Drehbüchern und zahlreichen Essays. 1993 gab er (zunächst auf Französisch) unter dem Titel »Voyage dans un siècle de Littérature Portugaise« (Ü: Reise durch ein Jahrhundert portugiesischer Literatur) eine Anthologie der portugiesischen Literatur des 20. Jahrhunderts heraus.
Für sein umfassendes literarisches Werk, das in mehr als zwölf Sprachen übersetzt wurde, erhielt Júdice zahlreiche Preise, darunter den Preis des PEN Clubs (1985), den Prémio D. Dinis da Casa de Mateus (1990), den Premio de Associação Portuguesa de Escritores (1995) und den Premio Reina Sofía de Poesía Iberoamericana (2013). Er leitete die vom Casa Fernando Pessoa herausgegebene Literaturzeitschrift »Tabacaria« und übersetzte u. a. Corneilles und Shakespeares Dramen sowie Emily Dickinsons Gedichte ins Portugiesische. 1994, als Lissabon Kulturhauptstadt Europas war, organisierte Júdice eine Veranstaltungsreihe zu europäischer Lyrik. Als Kulturattaché vertrat er Portugal von 1997 bis 2004 in Paris, wo er gleichzeitig das Instituto Camões leitete. Bei der Frankfurter Buchmesse 1997 mit dem Themenschwerpunkt Portugal war er offizieller Beauftragter seiner Regierung. Seit 2009 leitet er die Literaturzeitschrift »Colóquio-Letras« der Fundação Calouste Gulbenkian. Júdice lebt in Lissabon.