Portrait Sousa Lobo
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

The Dying Draughtsman
O Desenhador Defunto
Associação Chili Com Carne
Lissabon, 2013
The Upper Room
O Andar de Cima
Associação Chili Com Carne
Lissabon, 2014
The Francisco Problem
Calouste Gulbenkian Foundation
Lissabon, 2015
The Care of Birds
O Cuidado dos Pássaros
Associação Chili Com Carne
Lissabon, 2015
Master Song
kuš!
Riga, 2018


www.franciscosousalobo.com

Francisco Sousa Lobo [ Portugal, Großbritannien ]

Der portugiesische Comic-Zeichner Francisco Sousa Lobo wurde 1973 in Mosambik geboren. Er studierte von 1992 bis 1999 Architektur in Lissabon, war 1997 mit einem Erasmus-Stipendium in Venedig, machte von 2005 bis 2007 seinen Master of Fine Arts am Royal College of Art in London und promovierte 2011 bis 2016 am Goldsmiths College.

Auf Englisch und Portugiesisch erschien 2013 seine Graphic Novel »The Dying Draughtsman / O Desenhador Defunto« über den Portugiesen Francisco Koppens, der nach London zieht und immer tiefer in einen depressiv-paranoiden Zustand gerät. Der Anfangsbuchstabe seines Namens lässt in diesem Zusammenhang an Kafka denken. Gestaltet hat Sousa Lobo die Graphic Novel mit einer schwarz-rosa Flächigkeit und starker Linienführung. »›The Dying Draughtsman‹ weist Parallelen zu meiner Lebensgeschichte auf. Die Figur zeichnet aus einem Zwang heraus erotische Comicgeschichten und empfindet aufgrund ihres Katholizismus Schuldgefühle. Vielleicht ist es eine Art Meditation über Kunst und Wahnsinn, ich weiß es nicht. Aber es half mir persönlich – als Katharsis und um meine eigene Stimme zu finden.« Inspiriert von einem einwöchigen Aufenthalt in einem abgelegenen Kartäuserkloster, schuf Sousa Lobo im selben Jahr »Desert / Could« (Ü: Wüste / Wolke). Im Auftrag der Kunstschule Centro de Arte e Comunicação Visual in Lissabon und des portugiesischen Wissenschaftsministeriums erarbeitete Sousa Lobo eine Graphic Novel über das menschliche Gehirn: In »The Upper Room / O Andar de Cima« (2014) wird der Protagonist von der Polizei unter Schlafentzug gesetzt und wird verrückt. In seiner Graphic Novel »The Care of Birds / O Cuidado dos Pássaros« (2015) widmet sich Sousa Lobo dem Thema Pädophilie. Erzählt wird von einem Mann namens Peter Hickey, einem »gottlosen, katholischen Perversen« und pädophil veranlagten Ornithologen. Die einfachen, monochromen Illustrationen verdeutlichen dabei seine Seelenqualen. Als Kind wurde Peter sexuell missbraucht, gleichzeitig fand er in jungen Jahren Vergnügen an der Vogelbeobachtung, eine Leidenschaft, die er nun den Kindern seiner Umgebung nahebringen will, um damit in einem gewissen Sinne die eigenen Vergangenheit umzuschreiben. Gleichzeitig entspricht die Vogelbeobachtung dem schmalen Grat in seinem Verhältnis zu den vorpubertären Jungen: Die Tatsache, dass er Vögel einfängt, um sie zeichnen zu können, wirft die Frage auf, ab wann ein Verhalten als invasiv und schädigend bezeichnet werden kann.

Sousa Lobo war von 2008 bis 2009 Artist-in-Residence des britischen AA2A und von 2005 bis 2007 der Calouste Gulbenkian Foundation in Portugal. Er hat alle großen nationalen Comicpreise gewonnen – Amadora BD (bester Comic und bester Comic in einer Fremdsprache) sowie den Preis der Comic Con Portugal –, 2003 wurde ihm von der American Society for News Design der Award for Excellence verliehen. Sousa Lobo lebt seit 2005 in London.