Portrait Chauly
(c) Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

The Book of Sins
Mulut Mata
Kuala Lumpur, 2008

Lost in KL
Oxygen
Kuala Lumpur, 2008

Growing Up With Ghosts
Matahari Books
Kuala Lumpur, 2011

Onkalo
Math Paper Press
Singapur, 2013

Once We Were There
Epigram Books
Singapur/London 2017/2018

 

Bernice Chauly [ Malaysia ]

Bernice Chauly wurde 1968 in George Town, der Hauptstadt der malaiischen Insel Penang, geboren. In Kanada studierte sie mit einem staatlichen Stipendium Englische Philologie und Pädagogik an der University of Winnipeg.

Als Lyrikerin debütierte sie mit dem Band »going there and coming back« (1997; Ü: dort hingehen und zurückkommen), der ihre frühen poetischen Stilexperimente bei ihrer Identitätssuche in der Fremde bündelt. »The Book of Sins« (2008; Ü: Das Buch der Sünden), bestehend aus formenreichen Vers- und Prosafragmenten, vertieft ihre Beschäftigung mit Spiritualität und individuellen Traumata. Die Kurzgeschichtensammlung »Lost in KL« (2008; Verloren in KL) collagiert 13 urbane Momentaufnahmen aus der Metropole Kuala Lumpur. Ganze 23 Jahre schrieb Chauly an ihrem Erinnerungsbuch »Growing up with Ghosts« (2011; Ü: Mit Geistern aufwachsen), das ihren chinesisch-punjabischen Vorfahren über fünf Generationen ein semifiktional ausgestaltetes Denkmal setzt und vielstimmig von den Geschicken der Diaspora erzählt. Die jüngsten Gedichte, herausgegeben unter dem Titel »Onkalo« (2013) – eine Anspielung auf das finnische Atommüllendlager –, adressieren in konzisen Freiversen Verborgenes und Verbanntes. Unmenschlichen Halbwertszeiten hält Chauly intime Reflexionen und politisch-ökologische Anklagen entgegen. Die Gratwanderung, die nötig ist, um amouröse Reminiszenzen in eine globale Sinnsuche einzubetten, brachte ihr u. a. das Lob von J. M. Coetzee ein. Ihr hochgelobter und mit dem Penang Monthly Book Prize 2017 und dem Readers’ Choice Award 2018 ausgezeichneter Debütroman »Once We Were There« (2017; Ü: Als wir einmal da waren) schildert die politische Umbruchzeit der Reformasi-Bewegung 1998 aus der Perspektive einer Journalistin, deren Tochter von Menschenhändlern gekidnappt wird.

Oftmals suchte Chauly den Austausch mit marginalisierten Gruppen wie Sexarbeiterinnen, Flüchtlingen und indigenen Minderheiten. Deren Lebenssituation dokumentierte sie facettenreich in ihrem sich gegenseitig ergänzenden Schaffen als Bühnenautorin, Schauspielerin, Fotografin und Filmemacherin. Obendrein ist sie Wegbereiterin mehrerer literaturvermittelnder Initiativen in ihrer Heimat. Sie ist Mitbegründerin des Verlags Rhino Press sowie der Literaturplattform »Readings«. Seit 2011 leitet sie das Literaturfestival von George Town, das bei den International Excellence Awards 2018 der Londoner Buchmesse den Festivalpreis erhielt. Darüber hinaus war sie Honorary Fellow in Writing beim International Writing Program der University of Iowa 2014, ist Direktorin des KL Writers Workshop und Dozentin an der Taylor’s University in Subang Jaya und der University of Nottingham in Semenyih. Für ihr künstlerisches Engagement wurde sie mit diversen Preisen ausgezeichnet, dem Neu Woman Achievers Award (2005), dem Samsung Ultra Honour Award (2006), dem Most Successful Women Award (2012) u. a. Chauly lebt in Kuala Lumpur.