Portrait Schlink
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Selbs Justiz
[Mit Walter Popp]
Diogenes
Zürich, 1987
Der Vorleser
Diogenes
Zürich, 1995
Liebesfluchten. Erzählungen
Diogenes
Zürich, 2000
Die Heimkehr
Diogenes
Zürich, 2006
Das Wochenende
Diogenes
Zürich, 2008
Sommerlügen. Erzählungen
Diogenes
Zürich, 2010
Die Frau auf der Treppe
Diogenes
Zürich, 2014
Erkundungen
zu Geschichte, Moral, Recht und Glauben
Diogenes
Zürich, 2015
Olga
Diogenes
Zürich, 2018

Bernhard Schlink [ Deutschland ]

Bernhard Schlink wurde 1944 in Großdornberg bei Bielefeld geboren und wuchs in Heidelberg auf. Der promovierte Jurist und Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie lehrte in Bonn, Frankfurt am Main und von 1992 bis 2009 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1987 bis 2006 war er zudem Richter am Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen. In der Nachwendezeit beteiligte er sich als Berater am Verfassungsentwurf des Zentralen Runden Tisches der DDR.

1987 brachte er zusammen mit Walter Popp seinen ersten Roman »Selbs Justiz« heraus. Er handelt vom gealterten Privatdetektiv Gerhard Selb, der mit seiner eigenen Vergangenheit als Staatsanwalt während der Nazi-Zeit konfrontiert wird. Nach »Die gordische Schleife« (1988), ausgezeichnet mit dem Friedrich-Glauser-Preis (1989), erweiterte Schlink mit »Selbs Betrug« (1992) und »Selbs Mord« (2001) seine Krimi-Reihe um den Privatdetektiv Selb zur Trilogie. 1995 erschien Schlinks bislang bekanntestes und international ausgezeichnetes Werk »Der Vorleser«, das in über fünfzig Sprachen übersetzt und 2008 von Stephen Daldry verfilmt wurde. In dem dreiteiligen Roman erzählt der Jurist Michael Berg in Rückblenden von seiner erotischen Beziehung als 15-jähriger Schüler Ende der fünfziger Jahre zu der 21 Jahre älteren Hanna Schmitz. Als Student erlebt er deren Verurteilung zu lebenslanger Haft in einem Auschwitz-Gerichtsprozess mit und wird sich der Tatsache bewusst, dass Hanna Analphabetin ist. Ihre Beziehung erneuert sich während der Haftzeit, Berg schickt ihr besprochene Kassetten ins Gefängnis, mit deren Hilfe Hanna Lesen und Schreiben lernt. Nachdem er zugesagt hat, sich um ihre gesellschaftliche Eingliederung zu kümmern, erhängt sich Hanna am Vorabend ihrer Entlassung in ihrer Zelle. Die Kritik lobte neben dem präzisen Stil und der direkten Erzählweise vor allem Schlinks Behandlung der Schuldproblematik hinsichtlich der Holocaustverbrechen und den Umgang mit den Tätern in der Bundesrepublik der sechziger Jahre »gerade in dem Moment, wo alles über Deutschland und den Krieg gesagt zu sein scheint« (»The New York Times«). Weitere wichtige Werke von Bernhard Schlink sind die Erzählsammlungen »Liebesfluchten« (2000) und »Sommerlügen« (2010) sowie die Romane »Die Heimkehr« (2006) und »Das Wochenende« (2008). »Olga« (2018) erzählt von der Liebesbeziehung zwischen dem Gutsherrensohn Herbert, der sich im Größenwahn des Kaiserreichs am Völkermord an den Herero und Nama beteiligt, und der aus einfachen Verhältnissen stammenden Olga, die trotz aller Widerstände Lehrerin wird und als »utopisches Gegenbild« zu den hundert Jahren deutscher Geschichte erscheint, die der Roman umspannt.

Bernhard Schlink erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den WELT-Literaturpreis für sein literarisches Werk (1999) und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (2003). Er lebt in Berlin und New York.