Gast des ilb 2018.

Bibliographie

danbé
[Mit Marie Desplechin]
Calmann-Lévy
Paris, 2011
Ma
Wunderhorn
Heidelberg, 2017
[Ü: Beate Thill]

Aya Cissoko [ Frankreich ]

Aya Cissoko wurde 1978 in Frankreich geboren. Ihre Eltern kamen Anfang der siebziger Jahre aus Mali nach Frankreich. Nachdem 1986 Vater und Schwester bei einem Brandanschlag auf ihren Wohnblock in einer Banlieue von Paris ums Leben gekommen waren, entdeckte Cissoko das Boxen als Rückzugsort. 2006 wurde sie Amateur-Boxweltmeisterin. Eine Fraktur an der Halswirbelsäule und eine darauffolgende Operation lähmten sie halbseitig, sie beendete 2010 ihre Boxkarriere, kam dank ihres Durchhaltevermögens wieder auf die Beine und studierte Politikwissenschaften am Institut d’études politiques in Paris.

2011 veröffentlichte sie zusammen mit Marie Desplechin ihr erstes Buch »danbé« (Ü: Würde), in dem sie ihre Erfahrungen als malische Migrantin in Frankreich reflektiert. Das Buch wurde mit dem Grand prix de l’héroïne Madame Figaro ausgezeichnet und unter dem Titel »Danbé, la tête haute« von Bourlem Guerdjou verfilmt. Ihr zweiter Roman »n’ba« (2016; dt. »Ma«, 2017), den sie ihrer Mutter gewidmet hat und der ebenfalls stark autobiografische Züge trägt, erzählt eine Mutter-Tochter-Geschichte zwischen Tradition und Modernität, zwischen Afrika und Europa. Es geht um die Befreiung aus dem Klammergriff der muslimischen Tradition und gleichzeitig die Feier der eigenen Herkunft. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Mutter Massiré Dansira, die mit 15 Jahren in Mali verheiratet wurde, dann mit ihrem Mann nach Frankreich zog und vier Kinder bekam. Nach dem Tod ihres Mannes muss sie sich als Alleinerziehende in der von Männern beherrschten Welt ihrer Stammesherkunft behaupten. Allen diesen Widerständen zum Trotz verweigert sie sich einer erneuten Verheiratung und vermittelt ihren Kindern Würde, Charakterstärke, Respekt vor Traditionen und Kampfgeist. Allerdings befindet sich ihre Tochter, die Ich-Erzählerin, im ständigen Kampf mit ihrer Mutter, denn sie wächst bereits als modernes Mädchen auf und kann die traditionellen Werte ihres Herkunftslandes kaum mit denen der französischen Gesellschaft in Einklang bringen. Dieser Kampf wird für sie zum Beruf: Sie entwickelt sich zu einer erfolgreichen Boxerin. Cissoko wählt für ihren Roman glasklare Sätze, die teilweise schmerzlich hart wirken. Immer wieder flicht sie Zitate in der westafrikanischen Sprache Bambara ein und verleiht der Figur der Mutter eine eigene, äußerst bildhafte Ausdrucksweise. »Von der Tochter einer alleinerziehenden Migrantin aus Mali zur Boxweltmeisterin, Politikwissenschaftlerin und zur Schriftstellerin – das ist der beeindruckende Lebensweg Aya Cissokos, die dem Einwanderungsland Frankreich einen Spiegel vorhält und zeigt, was sich hinter den unscheinbaren Fassaden dunkelhäutiger Frauen für Kulturkämpfe abspielen« (»AVIVA«).

Die Autorin lebt in Paris.