Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Village Country
Saari
Tiflis, 2004
Comfortable
Saari
Tiflis, 2008
A Parcel
Palitra L
Tiflis, 2011
Die Geschichte von einem Vogel und einem Mann
Ullstein
Berlin, 2018
[Ü: Natia Mikeladse-Bachsoliani]
Südelefant
Ullstein
Berlin, 2018
[Ü: Nino Haratischwili u. Martin Büttner]

Archil Kikodze [ Georgien ]

Archil Kikodze wurde 1972 in Tiflis geboren. Von 1989 bis 1992 studierte er Orientalistik an der Staatlichen Iwane-Dschawachischwili-Universität in Tiflis. Anschließend war er bis 1999 an der Schota-Rustaweli-Universität für Theater und Film immatrikuliert. Von 1991 bis 1994 beteiligte er sich an Suchexpeditionen im Gebirge, bis heute ist er als Naturwanderführer sowie im Bereich Ökotourismus tätig und verfasste Reiseführer über die georgischen Regionen Swanetien und Khewi sowie über die Nationalparks Tuschetien und Lagodechi.

Seit 1993 veröffentlicht Kikodze Kurzgeschichten, Essays, Artikel und auch Fotografien in diversen georgischen Zeitungen und Literaturzeitschriften. Seine Novelle »The Story of a Bird and a Man« (2013; dt. »Die Geschichte von einem Vogel und einem Mann«, 2018) wurde bislang ins Schwedische, Polnische und Deutsche übersetzt. Der Text hat einen ruhigen, geradezu kontemplativen Erzählfluss, im Mittelpunkt stehen Menschen mit ihren alltäglichen Erlebnissen. Doch die auf den ersten Blick unspektakulären Alltagsbilder verdichten sich zusehends zu Detektivgeschichten, in denen Kikodze die Leserin und den Leser Schritt für Schritt an Themen wie Verbrechen und Strafe, Stolz und Vorurteil, Liebe und Hass heranführt. Diese Familiengeschichte zeigt so realistischer als Geschichtsbücher Fragmente aus der georgischen Vergangenheit, die über die Generationen bis heute fortwirkt. In seinem ersten Roman »Southern Elephant« (2016; dt. »Südelefant«, 2018) lässt Kikodze seinen Protagonisten, einen Filmregisseur, der seine Wohnung einem Freund für ein Stelldichein überlassen hat, einen Tag lang durch Tiflis streifen. Er betrachtet die Orte seiner Stadt vor allem als Schauplätze seines Lebens, schaut in den Spiegel der Vergangenheit, und vor seinem inneren Blick werden Kindheit, Jugend, Episoden von Liebe und Leidenschaft, Missgeschicke und Tragödien schlaglichtartig beleuchtet. Über das Private hinausgehend, reflektiert er über die Zeit der späten Sowjetunion und die der Entstehung des unabhängigen Georgiens nach deren Zusammenbruch, über die Schwierigkeiten der älteren Generation, sich in die neuen Verhältnisse einzuleben, über die Grauen des Krieges mit Russland und seine Folgen. »›Southern Elephant‹ ist der Roman, auf den die Stadt lange gewartet hat. So wie die Champs-Élysées Marcel Proust verdienten, so kam Tiflis an Archil Kikodze, der sich gleich in seinem ersten Roman die Hauptstadt in die Tasche steckt«, schreibt Lewan Berdsenischwili.

Kikodze schrieb für den Episodenfilm »Tbilisi, I Love You« (2014) das Drehbuch und spielte im georgischen Kinofilm »Blind Dates« (2013) die Hauptrolle. 2018 repräsentiert er mit anderen Autoren auf der Frankfurter Buchmesse Georgien als Gastland. Er wurde mit verschiedenen georgischen Literaturpreisen geehrt und lebt heute in Tbilissi.