Portrait Emezi
(c) Hartwig Klappert

Gast des ilb 2018.

Bibliographie

Süßwasser
Eichborn
Köln, 2018
[Ü: Senthuran Varatharaja]


www.akwaeke.com

Akwaeke Emezi [ Nigeria, USA ]

Akwaeke Emezi, von der Herkunft her halb Igbo, halb tamilisch, wurde 1987 in Umuahia, der Hauptstadt des nigerianischen Bundesstaates Abia im Süden des Landes, geboren und wuchs in Aba im selben Bundesstaat auf. Emezi studierte von 2010 bis 2012 an der New York University Internationale Politik sowie Nonprofit Management. Von 2014 bis 2016 belegte Emezi außerdem einen Kurs in Kreativem Schreiben an der New Yorker Syracuse University.

Emezis Kurzprosa erschien zunächst in Zeitschriften wie dem »Specter Magazine«, dem »Sable Literary Magazine« oder dem »Wasafiri Magazine«. Der Text »Who Will Claim You?« (2015; Wer wird Anspruch auf dich erheben?), in dem es um Herkunft geht, wurde aufgenommen in »Best Culture Writing of 2015« der Zeitschrift »The Fader’s«. »Who Is Like God« (Ü: Wer ist wie Gott) auf »Granta Online« (2017) gewann im Jahr des Erscheinens den Commonwealth Short Story Prize for Africa. 2018 erschien Emezis erster Roman »Freshwater« (2018; dt. »Süßwasser«, 2018). Im Mittelpunkt der Handlung steht die Nigerianerin Ada, die als »ogbanje« zur Welt kommt, ein böser Geist, der einen Menschen zur multiplen Persönlichkeit aufspaltet. Ihren Eltern bereitet Ada von klein auf Sorgen, weil sie unruhig ist und zu heftigen Wutausbrüchen neigt. Ihr eigentliches Problem wird offenbar, als sie in die USA zieht, um dort ein College zu besuchen, und durch ein traumatisches Erlebnis in eine Identitätskrise gerät. Die Stimmen in ihrem Kopf verleiten sie dazu, sich selbst zu sabotieren und zu zerstören durch ungeschützten Sex, rauschhaften Alkoholkonsum, Selbstverstümmelung bis hin zum Selbstmordversuch. Der Frage von Psychologen nach dem Grund für diese Art von Selbstzerstörung hält Emezi in diesem Roman die Igbo-Spiritualität als Erklärungsmuster entgegen, um den menschliche Wahnsinn zu entschlüsseln. Der Roman lebt von der Spannung zwischen der Behauptung einer singulären Identität und der Freiheit und Veränderlichkeit einer multiplen Persönlichkeit. »Ich bin ein Dorf voller Gesichter und ein Gehege voller Knochen, durchscheinende Tausende«, sagt Emezi selbst. Ausgehend von eigenen Erfahrungen und mit stilistischer Eleganz sowie poetischen, verstörenden Bildern erforscht Emezi in »Süßwasser« eine Art geistiger Verwirrung, die die Protagonistin bis ins Erwachsenenalter plagt, stellt Fragen nach dem Geheimnis des Seins und des Selbst. Entstanden ist das Postulat, dass man letztlich mit seinen Dämonen leben muss, ohne sich ihnen hinzugeben, und dass man sich verorten muss im Grenzbereich zwischen den Geschlechtern, zwischen Leben und Tod, zwischen Gott und Mensch – auf spielerische Weise.

Emezis erster Jugendroman »PET« wird voraussichtlich 2019 erscheinen. Außerdem dreht Emezi experimentelle Kurzfilme, »UDUDEAGU« gewann den Publikumspreis beim BlackStar Film Festival 2014.