Raoul Schrott Portrait
© Ali Ghandtschi

Gast des ilb 2011, 2017, 2018, 2019.

Bibliographie

Die Erfindung der Poesie
Gedichte aus den ersten viertausend Jahren
[als Hg.]
Eichborn
Frankfurt a. M., 1997
Tristan da Cunha oder Die Hälfte der Erde
Hanser
München/Wien, 2015
Die Kunst an nichts zu glauben
Hanser
München/Wien, 2005
Homer, Ilias
[als Ü.]
Hanser
München, 2008
Erste Erde. Epos
Hanser
München, 2016
Politiken & Ideen
Hanser
München, 2018
Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Erde umrundete und dann ein zweites und drittes Mal
Hanser
München, 2019

 

Raoul Schrott [ Österreich ]

Raoul Schrott wurde 1964 geboren und wuchs in Tirol, Tunis und Zürich auf. Er studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Norwich, Paris und Berlin, war 1986/87 Sekretär von Philippe Soupault in Paris, promovierte über »Dada 1921−1922« und habilitierte sich 1998 über Poetik am Institut für Komparatistik in Innsbruck. In seiner vier Jahrtausende umfassenden Anthologie »Die Erfindung der Poesie« (1997) breitet er die Entstehung ihrer Formen aus.
Sein Werk umfasst unterschiedlichste Genres. Zwischen 1995 und 2015 erschienen seine Romane »Finis Terrae«, der fiktionale Reisebericht eines Archäologen, und »Tristan da Cunha« über eine Insel im Südatlantik als Sehnsuchtsort von vier Protagonisten, die Kurzgeschichte »Khamsin«, die Novelle »Die Wüste Lop Nor«, die Erzählung »Das schweigende Kind« sowie die Gedichtbände »Hotels«, »Tropen. Über das Erhabene«, »Weissbuch. Über das Heilige« und »Die Kunst an nichts zu glauben«. Mit seiner Essaysammlung »Handbuch der Wolkenputzerei« (2005) erweist sich Schrott nicht nur als Theoretiker des dichterischen Handwerks, sondern auch als Kritiker des Feuilletons: »Es herrscht eine Dialektik des Geschmäcklerischen, die enthusiastisch über das Werk hinwegsieht.« Tatsächlich wurde gerade er vor allem für seine Übersetzungen – etwa des Epos von »Gilgamesh« (2001) − häufig kritisiert, was Raoul Schrott oft zum Anlass für einen leidenschaftlichen Disput mit seinen Kritikern nahm. 2005 bis 2008 arbeitete er an einer Neuübertragung der »Ilias«; 2007 erschienen seine vieldiskutierten Thesen zu Homer und Troja »Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe«. 2011 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit dem Neurowissenschaftler Arthur Jacobs das Buch »Gehirn und Gedicht. Wie wir unsere Wirklichkeiten konstruieren«, in dem sie die kognitive Basis der literarischen Ausdrucksformen herausstellen. »Erste Erde Epos« (2016) arbeitet unser heutiges Wissen vom Urknall und der Entstehung der Erde, des Lebens und des Menschen auf. Anhand von Reisen zu den Fundstellen, an denen sich die Evolution des Universums ablesen lässt, und der Lebensgeschichten einzelner Figuren – Forscher, Wissenschaftler, Künstler – entwirft Schrott ein großes erzählerisches Panorama, in dem die Frage nach unserer ethischen Verortung und einem modernen Menschenbild im Mittelpunkt steht. In »Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal« (2019) widmet sich Schrott einer Nebenfigur der Weltgeschichte, Hannes aus Aachen, und seinen mehrfachen Versuchen einer Weltumsegelung, bei denen er in Meutereien, Schiffbrüche und Abenteuer verwickelt wurde.
Raoul Schrott erhielt u.a. den Preis des Landes Kärnten beim Bachmann-Wettbewerb, den Berliner Literaturpreis, den Peter-Huchel-Lyrikpreis, den Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis und den Joseph-Breitbach-Preis. Er lebt in Österreich.

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