Maaza Mengiste Portrait
© Nina Subin

Gast des ilb 2017, 2021.

Bibliographie

Unter den Augen des Löwen

Verlag das Wunderhorn

Heidelberg, 2013

[Ü: Andreas Jandl]

 

Der Schattenkönig

dtv Verlag

München, 2021

[Ü: Brigitte Jakobeit, Patricia Klobusiczky]

Maaza Mengiste [ Äthiopien, USA ]

Die äthiopischstämmige US-Autorin Maaza Mengiste wurde 1971 in Addis Abeba geboren. Bevor ihre Mutter während der kommunistischen Revolution mit ihr in die USA floh, lebte Mengiste in Lagos und Nairobi. In den Vereinigten Staaten kam sie zunächst nach Colorado, wo sie einige Tage später von ihrer Mutter allein gelassen wurde. Mengiste wuchs in einem Flüchtlingscamp in einer Gruppe von Libyern auf, die vor Gaddafi geflohen waren. An der New York University begann sie ein Studium für Kreatives Schreiben, das sie mit dem Master of Fine Arts abschloss.

2010 erschien ihr Debütroman »Beneath the Lion’s Gaze« (dt. »Unter den Augen des Löwen«, 2013). Darin thematisiert sie aus der Sicht einer Mittelstandsfamilie die Zeit des Umsturzes in Äthiopien in den 1970er Jahren: Ein Familienvater und Arzt aus Addis Abeba versucht in unruhigen Zeiten seine Familie zu schützen. Doch während sein älterer Sohn sich scheinbar vernünftig verhält, beteiligt sich der jüngere an den Protesten gegen Kaiser Haile Selassie und sein System. Im zweiten Teil des Romans, der einige Jahre später spielt, ist der Umsturz in eine sozialistische Militärdiktatur umgeschlagen. An der Tagesordnung sind nun Hinrichtungen von Andersgesinnten, Enteignungen, Hausarreste. Wieder reagieren die Männer in dieser Familie unterschiedlich auf die Situation. Mit Anschaulichkeit und großer Klarheit sowie unter Verwendung nur weniger surrealistischer Exkurse erzählt Mengiste chronologisch und stringent von diesem grausamen Kapitel in der Geschichte Äthiopiens. »Beneath the Lion’s Gaze« wurde von »The Guardian« auf die Liste der zehn besten afrikanischen Gegenwartsbücher gewählt und bekam den zweiten Platz des Dayton Literary Peace Prize.

Mengistes zweiter Roman »The Shadow King« (2019; Ü: Der Schattenkönig) stand auf der Shortlist für den Booker Prize 2020. Angesiedelt in Äthiopien zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, erzählt der Roman die Geschichte der verwaisten Hirut, die als Dienstmädchen bei einem Offizier der Armee von Kaiser Haile Selassie arbeitet. Als der Kaiser ins Exil geht, heckt Hirut einen Plan aus: Sie hilft dabei, einen Bauern als Kaiser zu verkleiden – doch dann gerät sie selbst in die Gefangenschaft eines der bösartigsten Offiziere Italiens. Die multiperspektivische Anlage des Romans erlaubt es Mengiste, tief in die Psyche ihrer Figuren einzutauchen. Dass ein Chor das Geschehen kommentiert, ist dabei nicht die einzige Anspielung auf das antike Drama.

Maaza Mengiste unterrichtet Kreatives Schreiben am Queens College der City University of New York. Außerdem schreibt sie regelmäßig zu Themen wie Äthiopien und seine Revolution, die Menschenrechte sowie zu Problemen der Migration für verschiedene amerikanische Zeitungen und Zeitschriften. Sie engagiert sich in der Kinderhilfsorganisation Young Center for Immigrant Children’s Rights. Die Autorin lebt in New York City.

http://maazamengiste.com