Yvonne Adhiambo Owuor
© Michael Karinga

Gast des ilb 2014, 2020, 2021.

Bibliographie

The Weight of Whispers

Kwani Trust

Nairobi, 2006

 

Der Ort, an dem die Reise endet

Dumont

Köln, 2016

[Ü: Simone Jakob]

 

Das Meer der Libellen

Dumont

Köln, 2020

[Ü: Simone Jakob]

 

Yvonne Adhiambo Owuor [ Kenia ]

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Nairobi, Kenia, geboren. An der Kenyatta University studierte sie Anglistik und Geschichte und erlangte Mastertitel an der britischen University of Reading und der australischen University of Queensland.
Für ihre ursprünglich in dem von Binyavanga Wainaina gegründeten Literaturmagazin »Kwani?« publizierte Kurzgeschichte »The Weight of Whispers« (Ü: Das Gewicht des Flüsterns) wurde sie 2003 mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. Die Erzählung nimmt sich der Perspektive eines aristokratischen Flüchtlings an, der vor dem Genozid in seinem namenlosen Heimatland mit seiner Familie nach Kenia flieht. In dem viel gelobten Debütroman »Dust« (2014; dt. »Der Ort, an dem die Reise endet«, 2016) gestaltet Owuor ihren fragmentarischen, poetischen und temporeichen Stil weiter aus. Auf der Grundlage einer multiethnischen, dysfunktionalen Familie im Norden des Landes erzählt sie die Geschichte Kenias neu, vom Kolonialismus und Zweiten Weltkrieg über die Aufstände der Mau Mau bis zum Referendum 2005 und den Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen 2007/08. In einem atemlosen Prolog wird der Sohn, ein idealistischer Ingenieur, in Nairobi auf offener Straße erschossen. Der tragische Verlust veranlasst die Hinterbliebenen, ihre eigene verwickelte Vergangenheit aufzuarbeiten. Owuors zweiter Roman »The Dragonfly Sea« (2019; dt. »Das Meer der Libellen«, 2020) ist eine Coming-of-Age-Geschichte. Ayaana lebt mit ihrer Mutter auf Pate und wird Zeugin tiefgreifender Veränderungen auf der Insel vor der Küste Kenias: Es tauchen religiöse Extremisten auf, ein Tsunami bricht herein, und China streckt seine Fühler nach Afrika aus. Ayaana begibt sich auf eine Schiffsreise, um in der Ferne ihr Glück zu suchen, wobei sie letztlich sich selbst findet.
Owuors Kurzgeschichten und Essays erschienen in internationalen Zeitschriften sowie der Anthologie »New Daughters of Africa« (Ü: Neue Töchter Afrikas). Die Erzählung »The Knife Grinder’s Tale« (Ü: Die Geschichte des Scherenschleifers) wurde 2007 als Kurzfilm adaptiert. Owuor wurde für ihre künstlerischen und kulturellen Leistungen u. a. mit einer Head of State Commendation 2018 geehrt. 2005 war sie zum International Writing Program der University of Iowa eingeladen, 2017 erhielt sie das erste Grinnell Fellowship des IWP. Als Teilnehmerin des vom Chinua Achebe Center initiierten Projekts »Pilgrimages« reiste sie 2010 nach Kinshasa und hielt ihre Erfahrungen in ihren Reiseberichten »Milobela« fest. 2018/19 war Owuor Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und am Institut d’Études Avancées de Nantes. 2020 war sie Dorothea Schlegel Artist-in-Residence des Exzellenzclusters »Temporal Communities« an der Freien Universität Berlin. Owuor war als Informatikerin und Eventmanagerin tätig, bis heute entwickelt sie künstlerische Programme für Entwicklungsinitiativen und Gesprächsreihen zwischen Afrika und Asien. Die Autorin lebt in Nairobi. 2021 ist sie zu Gast beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD.