Portrait Martin Winckler
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Ein Kind aus Papier

Argon

Berlin, 1999

[Ü: Ilse Strasmann]

Doktor Bruno Sachs

Hanser

München, 2000

[Ü: Eugen Helmlé]

Histoires en l’air

P.O.L

Paris, 2008

Le Chœur des femmes

P.O.L

Paris, 2009

Es wird leicht, du wirst sehen

Kunstmann

München, 2013

[Ü: Doris Heinemann]

http://martinwinckler.com

Martin Winckler [ Kanada ]

Martin Winckler wurde als Marc Zaffran 1955 in Algerien geboren. Seine Familie zog erst nach Israel, 1962 schließlich nach Frankreich. An der medizinischen Fakultät in Tours legte er 1982 sein Staatsexamen ab. 1983 eröffnete er seine eigene Praxis und führte in einer Klinik Abtreibungen durch.

Bereits für die Publikation seiner ersten Kurzgeschichten 1987 wählte er sein Pseudonym in Anlehnung an eine Figur aus George Perecs Opus magnum »La Vie mode d’emploi« (dt. »Das Leben. Gebrauchsanweisung«), das auf ihn großen Einfluss hatte. 1989 erschien sein Debütroman »La Vacation«, dessen Hauptfigur Bruno Sachs er auch zum Protagonisten vieler späterer Werke machte, in denen er seine Erfahrungen als Arzt verarbeitete. Neben Romanen verfasste er u. a. autobiografische Texte, zahlreiche medizinische Publikationen sowie Essaybände zum Verhältnis Arzt/Patient, zu TV-Serien und populären Ikonen wie Film- und Comic-Helden. Größere Bekanntheit erlangte er mit dem Bestseller »La Maladie de Sachs« (1998; dt. »Doktor Bruno Sachs«, 2000), der 1999 von Michel Deville verfilmt wurde. Seinem jüngsten Roman »En Souvenir d’André« (2012; dt. »Es wird leicht, du wirst sehen«, 2013) stellt Winckler auf hintersinnige Weise ein schriftstellerisches Credo von Kurt Vonnegut voran: »Fangen Sie so nah am Schluss an wie möglich.« Jenem erzählerischen Leitsatz kommt er in kurzen, dichten Kapiteln nach; die tiefere Bedeutung des Romans allerdings liegt auf der inhaltlichen Ebene. Der Erzähler, Klinikarzt Emmanuel Zacks, hat ein vollkommenes Gedächtnis: eine Disposition, die er lediglich »Zufälligkeiten in den Genen und der Embryonalentwicklung« zu verdanken hat, wie er zu Beginn erläutert. Neben jener besonderen Gabe ist ihm eine Sensibilität gegenüber seinen Patienten zu eigen, deren Leid er nicht ungerührt ertragen kann und die mit falschen Beschwichtigungen zu beruhigen er nicht imstande ist. Er hilft schließlich Sterbenden, mit ihrer Angst vor der Agonie umzugehen und ihnen einen selbstbestimmten, würdevollen Tod zu ermöglichen. Bald beginnt er die Geschichten seiner Patienten – teils lang gehütete Geheimnisse und tragische Liebesbeziehungen – Wort für Wort, wie sie ihm zugetragen wurden, niederzuschreiben; darunter auch die seines Freundes und Ziehvaters André. Nicht zuletzt bringt Zacks, selbst gleichfalls von einer unheilbaren Krankheit befallen, seine eigene Lebensgeschichte zu Papier. Wincklers sachkundiges Nachsinnen über das ebenso komplexe wie kontrovers diskutierte Thema Sterbehilfe ist letztlich auch ein Plädoyer für den Akt des Erzählens selbst, insofern die übermittelten Lebenserinnerungen den Tod überdauern und so zu einem fassbaren Andenken werden.

Martin Winckler ist neben seinem Wirken als Autor auch als Übersetzer tätig und übertrug u. a. Romane von David Markson, Nicholson Baker, Harry Mathews und Patrick Macnee ins Französische. Er lebt in Quebec.