Georg Stefan Troller Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2013.

Bibliographie

Paris geheim

Artemis & Winkler

Düsseldorf, 2008

Dichter und Bohemiens in Paris. Literarische Streifzüge

Artemis & Winkler

Düsseldorf, 2008

Selbstbeschreibung

Verbesserte und ergänzte Neuauflage

Artemis & Winkler

Düsseldorf, 2009

Vogelzug zu anderen Planeten: Der kleine Prinz und sein Fuchs treffen Pinocchio, Max und Moritz, Lolita und weitere

Karl Rauch Verlag

Düsseldorf, 2011

Das fidele Grab an der Donau. Mein Wien 1918-1938

Artemis & Winkler

Düsseldorf, 2004

Neuauflage bei Ueberreuter

Wien, 2013

Georg Stefan Troller [ Österreich, Frankreich ]

Georg Stefan Troller wurde 1921 in Wien geboren. Er machte eine Lehre als Buchbinder. Mit sechzehn, kurz nach den Novemberpogromen, floh er vor der nationalsozialistischen Verfolgung über die Tschechoslowakei nach Frankreich; im Gepäck Karl Kraus’ »Die letzten Tage der Menschheit«. 1941 erhielt er in Marseille ein amerikanisches Visum. In den USA wurde er 1943 zum Militärdienst eingezogen und kam als junger GI in einem Team von deutschsprachigen Gefangenenvernehmern nach Deutschland. Anschließend studierte er Anglistik und Theaterwissenschaften u.a. an der University of California in Los Angeles und begann als Reporter für Zeitungen und Rundfunk zu arbeiten. Berühmt wurde Troller mit dem WDR-Fernsehmagazin »Pariser Journal«, das er über 50 Folgen hinweg zwischen 1962 und 1971, oft entgegen der vom Sender dirigierten Konventionen, moderierte und produzierte. »Diese Sendung hat mich überhaupt erst zum Menschen gemacht«, resümierte er später. Einzigartig wie eigenwillig war die autodidaktische Annäherung an seine Gesprächspartner — unter ihnen zahllose Berühmtheiten ebenso wie »Exzentriker, Streuner, Mädchenaufreißer. Das wilde unbürgerliche Paris, das lebendige«, so Troller in seiner Autobiographie, seiner (später zudem selbst verfilmten) »Selbstbeschreibung« (1988/2011). Mit persönlich verwurzelter Dringlichkeit und direkten, oft existentiellen Fragen entlockte er dem Gegenüber seine jeweiligen Wahrheiten. Ebenso charakteristisch sind seine literarisch geschliffenen, oftmals von einem ironischen Humor durchdrungenen Kommentare, die auch seine spätere Porträt-Reihe »Personenbeschreibung« prägte. »Menschenbewunderer, Menschenerfasser, Menschenerforscher« und vielzitiert eben auch als »Menschenfresser«, so bezeichnete sich der unermüdliche Dokumentarist, der seine Arbeit unwiderruflich mit der existentiellen Angst der Verfolgung verbunden sieht: »Dieser passionierte Umgang mit Sprache, woher kommt er denn anders, als aus schmerzlicher Jugenderfahrung der Vertreibung, nicht nur von der Heimat, sondern auch ihrem Sprachraum. Und aus der geradezu grotesken Sehnsucht nach deutschen Worten, über Jahre der Emigration hinweg«, schreibt er in dem Porträtband »Lebensgeschichten« (2007). Neben etlichen Dokumentarfilmen verfasste er zahlreiche Drehbücher (u.a. für Axel Cortis Trilogie »Wohin und zurück« und Robert Schindels Romanverfilmung »Gebürtig«) als auch mehrere Bände über Paris und seine Begegnungen mit Prominenten und Künstlern. Wiederholt erhielt er den Grimme-Preis sowie die Goldene Nymphe des Fernsehfestivals von Monte Carlo und wurde u.a. zudem mit dem Erich-Salomon-Preis (1975), dem Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste (1986), einem Bundesverdienstkreuz (2002), dem Axel-Corti-Preis (2004) und Theodor-Kramer-Preis (2005) als auch einem Stern auf der Berliner Boulevard der Stars (2010) geehrt. Troller lebt seit 1949 in Paris.