Portrait Eva Menasse
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010, 2018, 2019.

Bibliographie

Der Holocaust vor Gericht

Siedler

Berlin, 2000

Vienna

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2005

Lässliche Todsünden

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2009

Quasikristalle

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2013

Tiere für Fortgeschrittene

Kiepenheuer & Witsch

Köln, 2017

Eva Menasse [ Österreich ]

Eva Menasse wurde 1970 in Wien geboren. Sie studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalistin für das Wiener Nachrichtenmagazin »Profil« und als Kulturredakteurin für die »FAZ«. 2000 berichtete sie mehrere Wochen lang vom Londoner Prozess um den Holocaustleugner David Irving. Menasses erste eigene Buchveröffentlichung behandelte diesen Fall und erschien unter dem Titel »Der Holocaust vor Gericht« (2000).

Angesichts der beruflichen Laufbahn Menasses verwundert es nicht, dass auch die Entstehung ihres ersten Romans »Vienna« (2005) von ihrer journalistischen Erfahrung geprägt ist. Den Stoff für die Geschichte einer Familie mit halb jüdischen, halb christlichen Wurzeln im Österreich des 20. Jahrhunderts sammelte die Autorin, indem sie Interviews mit ihrer Verwandtschaft führte und über die Zeit um den Zweiten Weltkrieg herum recherchierte. Das Porträt der quirligen Familie, hinter deren anekdotenreicher Erzählkultur sich die Angst vor den schmerzlichen historischen Einschnitten in der eigenen Geschichte verbirgt, erinnert daher an manchen Stellen an die Familie Menasse selbst. Dem erfolgreichen und in viele Sprachen übersetzten Romandebüt der Autorin folgte 2009 ihre Kurzgeschichtensammlung »Lässliche Todsünden« mit sieben Erzählungen über moderne Sündenfälle. 2013 erschien ihr Roman »Quasikristalle«, in dem sie die Biografie einer Frau in ihren unterschiedlichen Aspekten zeigt, sie als Mutter und Tochter, Freundin, Mieterin und Patientin, als flüchtige Bekannte und treulose Ehefrau porträtiert und zugleich die Fragen nach Wahrnehmung und Wahrheit stellt: »Es ist ein Vergnügen, ein Buch zu lesen, das so sehr im Heute zu Hause ist« (»Der Spiegel«). In »Tiere für Fortgeschrittene« (2017) sind acht Erzählungen über Alltagsprobleme von beeindruckend »normalen« Helden versammelt. Da will ein Mann die Demenz seiner Frau verheimlichen, eine Mutter versucht vergeblich, sich gegenüber dem muslimischen Mitschüler ihrer Tochter politisch korrekt zu verhalten, und eine Patchwork-Familie geht auf Pauschalurlaub in die Türkei. Allen Erzählungen sind kuriose Tiermeldungen vorangestellt.

Mit ihrem Bruder Robert und ihrer Schwägerin Elisabeth Menasse hat Eva Menasse bereits in den neunziger Jahren zwei Kinderbücher geschrieben, »Die letzte Märchenprinzessin« (1997) und »Der mächtigste Mann« (1998). Sowohl für ihre journalistische als auch für ihre literarische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Gerty-Spies und dem Heinrich-Böll-Preis (beide 2013). 2015 lebte sie als Stipendiatin der Villa Massimo in Rom. 2017 erhielt sie den Friedrich-Hölderlin-Preis sowie den Österreichischen Buchpreis für »Tiere für Fortgeschrittene«, 2019 den Ludwig-Börne-Preis. Außerdem ist Eva Menasse, die seit zwanzig Jahren in Berlin lebt, in diesem Jahr Mainzer Stadtschreiberin.