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© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Nekropolis

Berlin Verlag

Berlin, 2001

[Ü: Mirella Urdih-Merkù]

Die Stadt in der Bucht

Kitab

Klagenfurt, 2005

[Ü: Mirella Urdih-Merkù]

Im Labyrinth

Hermagoras-Mohorjeva

Klagenfurt, 2009

[Ü: Urška P. Černe, Matthias Göritz]

Nomaden ohne Oase

Hermagoras-Mohorjeva

Klagenfurt, 2009

[Ü: Urška P. Černe, Matthias Göritz]

Geheime Sprachgeschenke

Hermagoras-Mohorjeva

Klagenfurt, 2009

[Ü: Urška P. Černe, Matthias Göritz]

Boris Pahor [ Slowenien, Italien ]

Der slowenische Schriftsteller Boris Pahor wurde 1913 in Triest geboren, das bis 1919 zum österreichisch-ungarischen Verwaltungsgebiet Primorska (Küstenland) gehörte und dann von Italien besetzt wurde. Nach dem Besuch der slowenischen Grundschule war Pahor der Gebrauch seiner Muttersprache ab 1922 unter Mussolini verboten, unter dem die slowenische Minderheit unterdrückt wurde. 1935 bis 1938 studierte er im Priesterseminar von Gorica katholische Theologie. Unter dem Pseudonym Jožko Ambrožič konnte Pahor in Ljubljana seine ersten Texte in Zeitschriften veröffentlichen. 1940 verließ er das Priesterseminar, wurde von der italienischen Armee eingezogen und nach Libyen geschickt. Noch im selben Jahr kam er zurück nach Italien, studierte in Padua und arbeitete als Gefangenendolmetscher am Gardasee. Nach dem Zusammenbruch des italienischen Faschismus kehrte er 1943 nach Triest zurück und schloss sich als »Schiavo« (Schimpfwort für die Slowenen in Italien) der Volksbefreiungsbewegung an, in deren Milieu sein 1955 erschienener Roman »Mesto v zalivu« (dt. »Die Stadt in der Bucht«, 2005) spielt. 1944 verhafteten ihn die Domobranzen, die slowenische Landwehr, und übergaben ihn der Gestapo. Nach Verhören und Misshandlungen in verschiedenen Konzentrationslagern wurde er 1945 im KZ Bergen-Belsen befreit. 1946 kam er nach Triest zurück und promovierte 1947, konnte aber erst ab 1953 an einer slowenischen Schule in Triest arbeiten. 1975 wurde er aufgrund seiner Wehrdienstjahre und seines Status als ehemaliger KZ-Insasse vorzeitig pensioniert.

Pahor entwickelte seine Erzählweise erst einige Jahre nach Kriegsende. Seine psychologisch geprägten Romane thematisieren vor allem die Lebenserfahrungen der Triester Slowenen und binden autobiografische Momente ein. So verarbeitete er seine Traumata aus der Zeit in den Konzentrationslagern in verschiedenen Novellen und seinem 1967 entstandenen, preisgekrönten Roman »Nekropole« (dt. »Nekropolis«, 2001), der in viele Sprachen übersetzt wurde. Pahor erzählt aus der Perspektive eines Reisenden, der in den 1960er Jahren die Stätte seines Leidens wieder besucht. Alle späteren Themen Pahors klingen hier bereits an: der Kampf gegen den Faschismus, die Entnationalisierungspolitik der Großmächte und der Kampf um die Erhaltung der nationalen Identität. Aufgrund seiner reflektierenden Erzählweise wird Pahor in einem Atemzug mit Primo Levi, Jorge Semprún und Imre Kertész genannt. Er gilt als einer der bekanntesten Vertreter der slowenischen Gegenwartsliteratur und ist Kandidat der Universität Laibach für den Literaturnobelpreis.

Boris Pahor war viele Jahre Herausgeber der regimekritischen Zeitschrift »Zaliv« (Ü: Die Bucht) und ist seit 2009 ordentliches Mitglied der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Er lebt in Triest.