Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Thirrje

Priština, 1961

Lum Lumi

Rilindja

Priština, 1982

Den Wolf satteln

Straelener Manuskripte

Straelen, 1986

[Ü: Jochen Lanksch]

Ich sattle das Ross den Tod

Wieser

Klagenfurt, Salzburg, 1991

[Ü: Hans-Joachim Lanksch]

Das Lächeln im Käfig

Wieser

Klagenfurt, Salzburg, 1993

[Ü: Hans-Joachim Lanksch]

† Ali Podrimja [ Kosovo ]

Der kosovo-albanische Lyriker Ali Podrimja wurde 1942 in Gjakova geboren, heute Kosovo, damals Teil des italienisch kontrollierten, faschistischen Albaniens. Er hatte eine entbehrungsreiche Kindheit und Jugend, unter anderem musste er den frühen, tragischen Tod seiner Eltern verwinden. An der Universität von Priština studierte er bis 1966 albanische Sprache und Literatur und arbeitete danach als Journalist und Verlagslektor.

Ab 1961 publizierte er Prosa und Essays, bis heute sind über zehn Lyrikbände erschienen. Bereits als Gymnasiast veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband »Thirrje« (1961, Ü: Zurufe). In den folgenden Publikationen offenbart sich Podrimja als reifer Symbolist, der sich mühelos einer Vielfalt von Reimen und Metren bedient. Einen Wendepunkt in seinem Schaffen stellt seine Gedichtsammlung »Lum Lumi« (1982) dar. Es ist eine Hommage an seinen kleinen Sohn Lumi, der an Krebs gestorben ist. Hier widmet er sich den Themen Einsamkeit, Furcht, Tod und Schicksal. Podrimjas Ton ist dennoch lakonisch. Seine Verse weisen eine verdichtete Struktur auf, er spielt mit prägnanten Bildern und vermeidet jegliche künstliche Weitschweifigkeit. Der Meister verknappter Symbole und Allegorien flicht in seine Bildfolgen auch Elemente der mündlich überlieferten albanischen Volkspoesie, ungewöhnliche Metaphern und Sprachfügungen der Moderne ein und überrascht mit unerwarteten Satzstrukturen und subtilen Reimen. Thematisch hat Podrimja immer wieder Bezug genommen auf die karge Bergwelt, der er entstammt, sowie die Farben und das Licht dieser Landschaft. Auch die nationale Identität der Kosovo-Albaner und ihre Selbstbehauptung gegen Fremdbestimmung ist ein zentrales Thema in seinem Werk. Die von der mündlichen Tradition geprägte und erst seit dem 17. Jahrhundert schriftlich überlieferte kosovo-albanische Literatur war in Europa weitgehend unbekannt. Podrimjas Gedichtband »Ich sattle das Ross den Tod« (1991) war die erste deutschsprachige Buchveröffentlichung eines zeitgenössischen albanischen Lyrikers überhaupt. Darin verdichtet er das Erlebnis der täglichen Bedrohung, des erlebten Unrechts und der Gleichgültigkeit Europas: »Der Tod singt weiter / in Sarajevo / und abgerissene Menschenköpfe / kommen weiter als Geschenk / für das schlafende Europa.« Podrimjas Werke wurden außerdem ins Englische, Französische, Italienische, Polnische, Rumänische, Türkische, Griechische, Serbische, Kroatische und Slowenische übersetzt und international in viele Anthologien aufgenommen.

1992 erhielt Podrimja den Pjetër-Bogdani-Preis, eine der wichtigsten albanischen Literaturauszeichnungen, für die deutsch-albanische Erstveröffentlichung seiner Gedichte. Außerdem wurde er 1999 in Stuttgart mit dem Internationalen Nikolaus-Lenau-Preis und mit vielen anderen Preisen in Kosovo und Albanien ausgezeichnet. Ali Podrimja lebte bis zu seinem Tod in Priština und war Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Künste in Kosovo. Er starb Ende Juli 2012 in der Nähe der südfranzösischen Stadt Lodéve, wo er zuvor an einer Lesung teilgenommen hatte.