Wilfried N'Sondé Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007, 2008, 2009, 2010.

Bibliographie

Das Herz der Leopardenkinder
Kunstmann
München, 2008
[Ü: Brigitte Große]

Übersetzerin
Brigitte Große

Wilfried N'Sondé [ Deutschland ]

Wilfried N'Sondé wurde 1968 in Brazzaville, der Hauptstadt der heutigen Republik Kongo, geboren. 1973 siedelte seine gesamte Familie in einen Vorort von Paris über, nachdem sein Vater ein Stipendium einer Pariser Kunsthochschule erhalten hatte. Geprägt von den widrigen Lebensverhältnissen der Banlieues und niederen Tätigkeiten auf einem Markt, begann er, Gedichte und Kurzprosa zu verfassen – der nie veröffentlichte Niederschlag einer »privaten Bildungsrevolution«, die ihn bis an die Sorbonne und die Université Paris X-Nanterre führte, wo er bis1991 Politologie studierte. Nach ausgedehnten Reisen mit Stationen in London, Utrecht und Madrid ließ er sich in Berlin nieder, wohin ihm seine Familie folgte.

Hier trat er zunächst als Musiker mit einer Mischung aus Trash-Rock und Afro-Punk in Erscheinung. Zudem betreute er im Rahmen einer Jugendinitiative in seinem Charlottenburger Kiez zahlreiche soziale Projekte mit türkischen Jugendlichen.

2007 debütierte er mit dem Roman »Le cœur des enfants léopards« (dt. »Das Herz der Leopardenkinder«), der im folgenden Jahr auf Deutsch erschien. Er schildert die Identitätskrise eines jugendlichen afrikanischen Immigranten in Paris, für den es keinen Ort zu geben scheint. Nachdem ihn seine Freundin verlassen und er sich hemmungslos betrunken hat, findet er sich bei einem Verhör im Polizeikommissariat wieder, wo er eines Verbrechens angeklagt wird, an das er sich kaum erinnern kann. In seiner Zelle ringt der Protagonist verzweifelt um seine Identität, als er sich nach den Befragungen der Polizei auch einer Flut auf ihn einströmender Erinnerungen ausgesetzt sieht sowie den Stimmen seiner Ahnen, welche ihn an ein ungekanntes Herkunftsland erinnern und von Ehre, Stolz und magischen Kräften künden. N’Sondé entwirft ein aktuelles Porträt vom schmerzhaften Zusammenwachsen der Kulturen, das so eindrücklich wie poetisch gestaltet ist. Der Roman sei »wie ein Schrei der Wut und der Liebe«, sagte der Autor im Rückblick. »Ich habe versucht, einer Bevölkerungsschicht ein Gesicht, ein Herz und Gefühle zu verleihen.«

N’Sondé wurde mit dem Prix Senghor de la Création Littéraire und dem Prix des cinq continents de la francophonie ausgezeichnet, dessen Jury urteilte: »Mit poetischer Sprache von unerbittlicher Genauigkeit – einer Diktion, die dieses Buch ebenso bewegend wie ergreifend macht – erforscht Wilfried N’Sondé Schmerz und Liebe, Zugehörigkeit und Gewalt, Begierde und Furcht.« Der Autor ist Vater von zwei Kindern und lebt in Berlin. Derzeit arbeitet er an einem Album mit Chansons. Im nächsten Jahr wird sein neuer Roman erscheinen.

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