Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Facing the Lion. Kindheit und Jugend eines Massai in der afrikanischen Savanne
Peter Hammer
Wuppertal, 2007
[Ü: Werner Petermann]

Übersetzer: Werner Petermann

Joseph Lemasolai Lekuton [ Kenia ]

Joseph Lemasolai Lekuton, Träger des Grand Warrior Awards (2001), wurde Anfang der 1970er Jahre als Angehöriger eines Ariaal-Clans, einer Volksgruppe der Maa (Massai), im Norden Kenias geboren. Er wuchs in einem Nomadendorf auf und besuchte als einziges Kind seiner Familie die Schule. 1989 ging er mit einem Stipendium und einem Flugticket in der Tasche, für das sein Dorf etliche Rinder verkauft hatte, in die USA. Dort studierte er Wirtschafts- und Bildungspolitik an der St. Lawrence University sowie in Harvard und war als Geschichtslehrer an der Langley School bei Washington D.C. tätig. Immer wieder verbrachte Lekuton viele Monate in seiner kenianischen Heimat, um mit NGOs wie dem Nomadic Kenyan Children's Educational Fund vor Ort Entwicklungshilfeprojekte voranzutreiben.

Freunde überredeten Joseph Lemasolai Lekuton, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, und so entstand sein viel beachtetes Debüt als Autor, »Facing the Lion: Growing up Maasai on the African Savanna« (2003; dt. »Facing the Lion«, 2007), das eindrücklich die archaische und ritualisierte Welt der Massai-Krieger und Rinderhirten beschreibt. Lekutons autobiographische Erzählung ist Sachbuch und Jugendroman zugleich, seine Sprache anschaulich, klar und warmherzig. Zupackend berichtet er von der ersten Begegnung mit einem Löwen, den sozialen Regeln im Dorf, vom Ereignis der Beschneidung, »bei der das Aushalten des Schmerzes ein Imperativ für das Erwachsenwerden ist« (»Neue Zürcher Zeitung«), von der Konfrontation mit moderner Technik und dem Kulturschock in den USA. Lekutons Name dokumentiert seinen Lebensweg: »Lemasolai« bedeutet »der Stolze« und wurde ihm von den Massai-Frauen seines Dorfes gegeben, während er auf »Joseph« erst in der protestantischen Missionarsschule getauft wurde. In den Schulferien musste er seine Familie in kilometerlangen Fußmärschen suchen, da die Ariaal immer dorthin ziehen, wo genug Gras für ihre Rinder wächst. »Es ist so schwer zu erklären, wie ich mich als kleines Kind in einer Kultur fühlte, die die meine war, und wie in einer anderen, die ich gerade erlernte«, berichtet er. »Aber ich erinnere mich, dass ich von Anfang an wollte, dass meine Kultur an erster Stelle und die Schule an zweiter Stelle kam.« So geht es bei Lekutons Buch nicht darum zu staunen, wie aus einem Rinderhirten ein Akademiker wird, »sondern jemandem zuzuhören, der es schafft, seine Heimat und Kultur in ein neues Leben mitzunehmen.« Welchen Herausforderungen er sich dabei stellen musste, davon erzählt der Autor »mit viel Humor und Selbstironie« (»WDR 5«).

2006 kehrte Joseph Lemasolai Lekuton in seine Heimat zurück und ist seither Abgeordneter im kenianischen Parlament. Als Politiker gilt sein Engagement der Verbesserung der Infrastruktur auf dem Land, der Bewahrung nachhaltiger Lebensformen in Zeiten der Globalisierung und der weiteren Demokratisierung seiner Heimat. »Die ganze Welt wächst zusammen«, sagt Lekuton. »Die Probleme eines Dorfes werden schon sehr bald Probleme sein, die auch den Rest der Welt betreffen.« Er ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Nairobi.

© internationales literaturfestival berlin