Portrait Jon Fosse
(c) Det Norske Samlaget/ Tom A. Kolstad

Gast des ilb 2008.

Bibliographie

Der Name
Rowohlt
Reinbek, 1997
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Das Kind
Rowohlt
Reinbek, 1998
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Da kommt noch wer
Rowohlt
Reinbek, 2000
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Melancholie
Kindler
Berlin, 2001
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Morgen und Abend
Fest
Berlin, 2001
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Traum im Herbst und andere Stücke
Rowohlt
Reinbek, 2001
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Das ist Alise
Mare
Hamburg, 2003
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]

Schwester
Bajazzo
Zürich, 2006
[Ü: Hinrich Schmidt-Henkel]
[Ill: Aljoscha Blau]

Übersetzer: Hinrich Schmidt-Henkel

Jon Fosse [ Norwegen, Deutschland ]

Jon Fosse wurde 1959 in Haugesund an der norwegischen Küste geboren. Als Jugendlicher widmete sich der Sohn eines Ladenbesitzers besonders der Musik, die er schließlich zugunsten der Literatur aufgab. Er studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Bergen und arbeitete anschließend als Dozent an der Akademie für Kreatives Schreiben in Hordaland. Bereits mit seinen frühen Romanen wurde er in Skandinavien bekannt. Nachdem er 1992 das Auftragsstück »Nokon kjem til å komme« (dt. »Da kommt noch wer«, 2000) für das Bergener Theater geschrieben hatte, verfasste er in kurzer Folge zahlreiche weitere, preisgekrönte Dramen. Spätestens seit Thomas Ostermaiers Inszenierung von »Der Name« (nor. »Namnet«) bei den Salzburger Festspielen im Jahr 2000 gehört Fosse zu den international meistgespielten Bühnenautoren. 2001 fanden weltweit rund 150 Premieren seiner Stücke statt.

Neben Romanen und Theaterstücken veröffentlichte Fosse auch Essay- und Lyrikbände sowie Kinderbücher. Seine Texte sind durch poetischen Minimalismus und Musikalität der Sprache charakterisiert und wurden deshalb immer wieder mit Samuel Beckett und Thomas Bernhard verglichen. Die meist namenlosen, sozial und psychisch kaum verortbaren Protagonisten begegnen Liebe und Tod wie ereignislosem Alltag als Außenseiter und reagieren zögernd und verunsichert, mit einfacher, unzureichender Sprache. Ihre Dialoge und Bewusstseinsströme bestehen aus kargen Kommunikationsfragmenten und ergeben dennoch in ihrer Zusammenstellung mit tels Wiederholung, Pause und Variation einen einzigartigen Ton, der den Leser oder Zuschauer nicht loslässt. Weil jedes Erleben aus der Distanz beschrieben und empfunden wird, halten sich Glück und Unglück für die Protagonisten wie für die Rezipienten in einem Schwebezustand. Angesichts der immergleichen menschlichen Schutzlosigkeit macht es keinen wirklichen Unterschied, ob ein junges Paar sich über der Namensgebung für ihr Kind trennt (wie in »Namnet«) oder wie in »Barnet« (dt. »Das Kind«, 1998) zusammenbleibt, obwohl – oder weil – das gemeinsame Kind nicht lebend geboren werden wird.

In seinen neueren Werken hat sich Fosse zunehmend von den Zwängen der Chronologie befreit. Der letzte Roman, »Morgon og kveld« (2000; dt. »Morgen und Abend«, 2001), wirft, ausgehend vom Tod eines alten Fischers, Schlaglichter auf dessen Leben. In der Erzählung »Det er Ales« (2004; dt. »Das ist Alise«, 2003) reicht die Erinnerung einer sterbenden Frau bis hin zur ihrer Ururgroßmutter und kreist dabei doch immer wieder um ein Leitmotiv: das Verschwindens ihres Lebensgefährten.

Fosses Werk wurde in über vierzig Sprachen übersetzt. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Ibsen-Preis und der Theaterpreis Nestroy, der skandinavische Nationaltheaterpreis – den der Autor ebenso wie den Melsom-Preis zwei Mal erhielt –, der deutsche Jugendbuchpreis, der Ehrenpreis des Norwegischen Kulturrats und ein lebenslanges Stipendium des norwegischen Staates. Der Autor ist Chevalier de l’Ordre National du Mérite. Er lebt mit seiner Familie in Bergen.

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