Gospodinov, Georgi_portrait_c_Klappert_ilb 2012 (57)_web.jpg
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2005, 2008, 2012, 2019.

Bibliographie

Natürlicher Roman
Droschl
Graz, 2007
[Ü: Alexander Sitzmann]
Kleines morgendliches Verbrechen
Droschl
Graz, 2010
[Ü: Alexander Sitzmann, Uwe Kolbe u. Valeria Jäger]
Physik der Schwermut
Droschl
Graz, 2016
[Ü: Alexander Sitzmann]
8 Minuten und 19 Sekunden
Droschl
Graz, 2016
[Ü: Alexander Sitzmann]
Lapidarium
eta
Berlin, 2017
[Ü: Henrike Schmidt]

Georgi Gospodinov [ Deutschland, Bulgarien ]

Der bulgarische Dichter und Schriftsteller Georgi Gospodinov wurde 1968 geboren. Für seinen ersten Gedichtband »Lapidarium« (1992; dt. 2017) erhielt er den nationalen Preis für das beste Debüt. Es folgte »Tschereschata na edin narod« (1996; Ü: Der Kirschbaum eines Volkes), der vom Bulgarischen Schriftstellerbund mit dem Preis für das beste Buch des Jahres ausgezeichnet wurde.
Einem internationalen Publikum wurde Gospodinov mit seinem ersten Roman »Estestven roman« (1999; dt. »Natürlicher Roman«, 2007) bekannt, einem »anarchischen experimentellen Debüt« (»The New Yorker«) und »humorvollen, melancholischen und höchst eigenwilligen Werk« (»Times«). Der Roman folgt postmodernen Gliederungsprinzipien und greift Erzähltechniken von Borges und Pessoa auf. Die Rahmenhandlung – ein Mann trennt sich von seiner Frau, weil er nicht »Urheber ihrer Schwangerschaft« ist – wird von weiteren Erzählsträngen und Reflexionsebenen durchsetzt. Der Kurzgeschichtenband »I drugi istorii« (2001; dt. »Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen«, 2004) geht mit tragikomischen Szenen dem Geheimnis des Alltags nach. In seinem Roman »Fisika na tagata« (2011; dt. »Physik der Schwermut«, 2014), ausgezeichnet mit dem Jan Michalski Preis, nominiert für den Brücke Berlin Preis und den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt, spannt Gospodinov den erzählerischen Bogen über das gesamte 20. Jahrhundert, mischt bedeutungsschwere wie funkensprühende Episoden mit geschichtlichen Artefakten und Mythologie und findet dadurch ein literarisches Abbild für brüchige Biografien. Im Erzählband »I vsichko stana luna« (2013; dt. »8 Minuten und 19 Sekunden«, 2016) thematisiert Gospodinov in der Titelgeschichte die Zeit, innerhalb derer das Licht der Sonne die Erde erreicht, und teilt ironisch seine Weltuntergangsgedanken mit, erzählt vom Gefühl der Einsamkeit und trumpft mit burlesken Gedankenspielen auf.
Gospodinov schreibt auch Theaterstücke und Drehbücher (u. a. »Das Ritual« innerhalb der osteuropäischen Filmproduktion »Lost and Found«, Eröffnungsfilm des Internationalen Forums des jungen Films der Berlinale 2005). »Blind Vaysha«, ein animierter Kurzfilm, der auf einer Kurzgeschichte von Gospodinov basiert, war 2017 für den Oscar nominiert. 2006 gab Gospodinov »As siviach sozialisma« (Ü: Ich habe im Sozialismus gelebt) heraus – das Ergebnis eines zweijährigen Internet-Projekts, bei dem die Erfahrungen von Menschen aus der Zeit des Sozialismus gesammelt wurden. Es folgte »Inventarna kniga na sozialisma« (2006; mit Yana Genova), eine »Inventurliste des Sozialismus« mit bulgarischen Alltagsgegenständen. Der Doktor in Literaturgeschichte ist Mitglied des Literaturinstituts BAS in Sofia und erhielt zahlreiche Stipendien (Berliner Künstlerprogramm des DAAD; Cullman Center, New York Public Library; Literaturhaus Zürich u. a.). 2019/20 ist er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.