Cécile Wajsbrot Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2007, 2017.

Bibliographie

Une vie à soi

Mercure de France

Paris, 1982

Violet Trefusis

Mercure de France

Paris, 1989

La fidélité [Hg.]

Éd. Autrement

Paris, 1990

Europe centrale [Hg.]

Éd. Autrement

Paris, 1991

Atlantique

Zulma

Cadeilhain, 1993

Mariane Klinger

Zulma

Cadeilhain, 1996

Pour la littérature

Zulma

Cadeilhain, 1999

Le désir d'équateur

Éd. Le Cercle Poche

Paris, 2001

Nocturnes

Zulma

Cadeilhan, 2002

Mann und Frau den Mond betrachtend

Liebeskind

München, 2003

[Ü: Holger Fock u. Sabine Müller]

Im Schatten der Tage

Liebeskind

München, 2004

[Ü: Holger Fock u. Sabine Müller]

Aus der Nacht

Liebeskind

München, 2008

[Ü: Holger Fock u. Sabine Müller]

Die Köpfe der Hydra

Matthes & Seitz

Berlin, 2012

[Ü: Brigitte Große]

Eclipse

Matthes & Seitz

Berlin, 2016

[Ü: Nathalie Mälzer]

 

Cécile Wajsbrot [ Frankreich ]

Cécile Wajsbrot wurde 1954 als Tochter polnischer Juden in Paris geboren. Ihre Familie war nach Frankreich geflüchtet, wo der Großvater der Deportation nicht entging; später wurde er in Auschwitz ermordet. Mutter sowie Großmutter entkamen nur knapp einer Razzia. Dieses Schicksal ihrer Familie und die kaum bzw. spät aufgearbeitete Vergangenheit des mit Nazi-Deutschland kollaborierenden französischen Staates sind wiederkehrende Themen in Wajsbrots Werk. Sie studierte zunächst Vergleichende Literaturwissenschaft und arbeitete acht Jahre lang als Französischlehrerin, bis ihr erster Roman erschien, »Une vie à soi« (1982; Ü: Ein Leben für sich). Danach war sie als Journalistin und Literaturredakteurin für Presse und Hörfunk tätig. Seit Anfang der neunziger Jahre arbeitet sie als freie Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Englischen und Deutschen. Sie übertrug u.a. Virginia Woolf, Suzan Wicks, Charles Olson, Gert Ledig und Wolfgang Büscher.
Wajsbrots Werke bilden einen Gegenpol zur an Polemik und Pathos reichen neueren französischen Literatur eines Houellebecq und Beigbeder. Gleichzeitig wendet sich die Schriftstellerin gegen die artistische, selbstreferenzielle Manier des Nouveau Roman und einen an der postmodernen »écriture« ausgerichteten Literaturbegriff. »Der Nouveau Roman und alles, was danach in Frankreich geschah, verdeckt ein Schweigen. ... Die écriture ist wesentlich narzisstisch. Die Literatur dagegen bezieht Andere in ihre Darstellung ein«, fasst Wajsbrot ihre viel beachtete Streitschrift »Pour la littérature« (1999; Ü: Für die Literatur) zusammen. Ihre eigenen Werke thematisieren die Rolle von Erinnerung sowie Gedächtnis und loten die Möglichkeit interpersonaler Kommunikation aus.
In deutscher S pr ache erschien zuletzt das relativ frühe Werk »La Trahison« (1997; dt. »Der Verrat«, 2006). Es berichtet von einem altgedienten Radiomoderator, der von einer jungen Kollegin interviewt wird und dabei beginnt, sich seiner bislang verdrängten Vergangenheit zu stellen. Die Erinnerung an sein feiges Verhalten gegenüber seiner jüdischen Geliebten während der Besatzungszeit lässt ihn schließlich Selbstmord begehen. Die oft als »Kammerspiel« charakterisierte Erzählung »Nation par Barbès« (2001; dt. »Im Schatten der Tage«, 2004) schildert drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten: eine illegale bulgarische Einwanderin in Paris, einen unternehmungslustigen Studenten und eine schüchterne junge Sekretärin. Ihre Wege kreuzen sich in der Metro, ohne dass sich ihre Hoffnungen gegenüber einander erfüllen. In »Caspar Friedrich Strasse« (2002; dt. »Mann und Frau den Mond betrachtend«, 2003) entwirft Wajsbrot, die seit einigen Jahren auch in Berlin lebt, die Rede eines fiktiven ostdeutschen Lyrikers. Anlässlich einer Straßeneinweihung vergegenwärtigt er Erinnerungen an die deutsche und an seine persönliche Geschichte. Das jüngste Werk der Autorin, »Mémorial« (2005; Ü: Denkmal), beschreibt die Polenreise einer jungen Frau auf den Spuren ihrer Vorfahren. Es erscheint nächstes Frühjahr in deutscher Übersetzung. Wajsbrot ist 2007/2008 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

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