Shashi Tharoor Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2003, 2006, 2019.

Bibliographie

Der große Roman Indiens

Claassen

Hildesheim, 1995

[Ü: Anke Kreutzer]

 

Indien. Zwischen Mythos und Moderne

Insel

Frankfurt a.M., 2000

[Ü: Max Looser]

 

Aufruhr. Eine Liebesgeschichte

Insel

Frankfurt a.M., 2002

[Ü: Anke Kreutzer]

 

Bollywood

Insel

Frankfurt a.M., 2006

[Ü: Peter Knecht]

 

Die Erfindung Indiens:

Das Leben des Pandit Nehru

Insel

Frankfurt a.M., 2006

[Ü: Peter Knecht]

 

An Era of Darkness: The British Empire in India

Aleph Book Company

Neu-Delhi, 2016

 

Why I Am A Hindu

Aleph Book Company

Neu-Delhi, 2018

 

The Paradoxical Prime Minister

Aleph Book Company

Neu-Delhi, 2018

Shashi Tharoor [ Indien, USA ]

Der indische Schriftsteller und Diplomat Shashi Tharoor wurde 1956 in London geboren, als sein Vater dort für die englischsprachige indische Zeitung »The Statesman« tätig war. Tharoor studierte in Indien und in den Vereinigten Staaten, wo er mit 22 Jahren in Jura promovierte und anschließend in den Dienst der Vereinten Nationen trat. Während der Krise um die vietnamesischen »Boat People« in den siebziger Jahren leitete er das Büro des UN-Flüchtlingswerks in Singapur und koordinierte später friedenssichernde Maßnahmen im früheren Jugoslawien. Von 1997 bis 1998 war er Assistent von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, 2002 wurde er von diesem zum Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der UNO ernannt. Tharoor bezeichnet Schreiben und seine Arbeit für die UNO als zwei gleichermaßen wichtige Aspekte seines Lebens. »Wenn ich das eine oder das andere aufgeben müsste, würde ein Teil meiner Seele sterben.« Sein Werk befasst sich mit einem zentralen Gegenstand: seiner Heimat Indien, das er in unterschiedliche literarische Gattungen kleidet: Neben Romanen verfasst er Zeitungsartikel, Kurzgeschichten, Sachbücher und wissenschaftliche Arbeiten. »The Great Indian Novel« (1989; dt. »Der große Roman Indiens«, 1995) ist eine moderne, ironisierende Adaption des 2000 Jahre alten Nationalepos »Mahabharata« – erzählt aus der Sicht des 20. Jahrhunderts. »Show Business« (1992; dt. »Bollywood«, 2006) – verfilmt unter dem Titel »Bollywood« – ist eine Satire auf die indische Filmindustrie. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1991 den Commonwealth Writers‘ Prize.

Tharoors Roman »Riot. A Love Story« (2001; dt. »Aufruhr. Eine Liebesgeschichte«, 2002) erzählt vor dem Hintergrund religiöser Spannungen die Geschichte der heimlichen Liebe zwischen einer Amerikanerin und einem verheirateten Regierungsbeamten. Wie schon in seinem Sachbuch »India. From Midnight tot he Millennium« (1997; dt. »Indien. Zwischen Mythos und Moderne«, 2000), verzichtet Tharoor auch hier auf eine durchgängige Erzählperspektive. Stattdessen verknüpft er virtuos fiktive Zeitungsartikel, Tagebucheinträge, Briefe und Gesprächsaufzeichnungen zu einer Collage, die die Komplexität der indischen Realität mit ihrer langen und wechselvollen Geschichte und ihren gegenwärtigen Pluralismen und Konflikten deutlich macht: »Was immer man über Indien sagt – das Gegenteil ist auch richtig«, sagt der Autor.

Tharoor lebt in New York.