Gast des ilb 2006, 2018.

Bibliographie

Erkundungen ll
33 Rumänische Erzähler
[Hg. Eva Behring]
Volk und Welt
Berlin, 1985
[Ü: Gerhardt Csejka]

Ich trage das Land
Das Frauen-Buch der Ränder
[Hg. Barbara Neuwirth]
Wieser
Klagenfurt, 1996
[Ü: Grete Tartler]

Provizorat
Polirom
Iași, 2010

Der gleiche Weg an jedem Tag
Schöffling
Frankfurt a. M., 2013
[Ü: Georg Aescht]

Begegnung
Wieser
Klagenfurt, 2018
[Ü: Georg Aescht]

Der verlorene Morgen
Die Andere Bibliothek
Berlin, 2018
[Ü: Eva Ruth Wemme]

Das Leben wie ein Tortenboden
Neue rumänische Prosa
Transit
Berlin, 2018
[Ü: Astrid Pforttner u. Anke Pfeiffer]

Fontana di Trevi
Polirom
Iași, 2018

Gabriela Adameşteanu [ Rumänien ]

Gabriela Adameşteanu wurde 1942 im rumänischen Târgu Ocna geboren. Sie studierte Rumänische Sprache und Literatur an der Universität von Bukarest und war anschließend als Redakteurin in Literatur- und Lexikonverlagen tätig. 1990 wurde sie Mitglied der Gruppe für Sozialen Dialog (GDS), der ersten rumänischen Nichtregierungsorganisation. In Berlin, Wien und Brüssel zur Journalistin ausgebildet, leitete sie von 1998 bis 2001 das von GDS herausgegebene Wochenmagazin »22« zu politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Themen und war Mitglied der internationalen Vereinigung von Herausgeberinnen und Journalistinnen »Women’s Edition«. Für ihr gesellschaftliches Engagement wurde sie 2002 mit dem Hellman-Hammett-Stipendium von Human Rights Watch ausgezeichnet. Als Präsidentin des rumänischen PEN war sie je zweimal als Writer in Residence in die USA (Iowa City, 1990; Ledig House, 2004) und nach Frankreich (Arles, 2000; Saint-Nazaire, 2004) eingeladen.

Adameşteanus Romandebüt »Drumul egal al fiecărei zile« (1975; dt. »Der gleiche Weg an jedem Tag«, 2013) beschreibt das Leben in den sechziger Jahren und wechselt zwischen dem Motiv der »éducation sentimentale« eines jungen Mädchens und den Themen Erfolg und Misserfolg. Einige Kurzgeschichten aus »Dăruieşte-ti o zi de vacanţă« (1979; Ü: Schenk dir einen Ferientag) und »Vară-primavară« (1989; Ü: Sommer – Frühling) erzählen von der Hoffnungslosigkeit der späten Ceauşescu-Jahre und erschienen in russischen, deutschen, österreichischen, ungarischen und estnischen Anthologien. Ihr bekanntestes Werk »Dimineaţa Pierdută« (1984; dt. »Der verlorene Morgen«, 2018) bildete die Vorlage für eines der erfolgreichsten Theaterstücke Rumäniens. Mit feinem Gespür für die Rede- und Sichtweisen der verschiedenen Gesellschaftsschichten und unterschiedlichen Persönlichkeiten stellt Adameşteanu individuelle Schicksale und kollektive Tragödien nebeneinander und schafft ein vielstimmiges Porträt ihres Landes im 20. Jahrhundert. Ihr Roman »Întâlnirea« (2003; dt. »Begegnung«, 2018) ist eine moderne Antwort auf Homers »Odyssee« und thematisiert die problematische Kommunikation zwischen einem Einwanderer und seinem – in langen Jahren der Diktatur von der Welt isolierten – Heimatland. »Provizorat« (2010; dt. in Teilen in »Das Leben wie ein Tortenboden. Neue rumänische Prosa«, 2018) ist ein historischer Roman, der die Lebensverhältnisse in den siebziger Jahren in Ceauşescus Rumänien rekonstruiert.

Für ihr Werk erhielt Adameşteanu zahlreiche internationale Ehrungen, u. a. wurde sie 2014 Chevalier de L’Ordre des Arts et des Lettres. Sie übersetzte Maupassant und Bianciotti ins Rumänische. Ihre journalistischen Arbeiten erschienen u. a. in »Obsesia politicii« (1995; Ü: Die Leidenschaft der Politik) und »Cele două Românii« (2001; Ü: Die zwei Rumänien). Sie lebt in Bukarest.


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