Portrait Shauna Singh Baldwin
(c) David J. Baldwin

Gast des ilb 2005.

Bibliographie

Foreign Visitor´s Survival Guide to America
[mit Marilyn Levine]
John Muir
Santa Fe, 1992

English Lessons and other stories
Goose Lane Editions
New Brunswick, 1999

What the Body Remembers
Anchor Books
New York, 1999

Das geteilte Haus
Goldmann
München, 2002
Übersetzung: Monika Schlitzer, Gloria Ernst

The Tiger Claw
Vintage Canada
Toronto, 2005

Übersetzer: Gloria Ernst, Monika Schlitzer

Shauna Singh Baldwin [ Kanada, Indien, USA ]

Shauna Singh Baldwin wurde 1962 im kanadischen Montreal geboren. Sie wuchs in Indien auf und fasste schon im Alter von elf Jahren den Entschluss, Schriftstellerin zu werden. Nachdem sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Marquette University in Milwaukee mit dem Magistertitel abgeschlossen hatte, arbeitete sie zunächst als IT-Beraterin. Daneben veröffentlichte sie in den USA, Kanada und Indien Kurzgeschichten, Gedichte und Essays in Literaturmagazinen. 1991 bis 1994 produzierte sie die Sendung »Sunno!« (Ü: Hör zu!) – eine »südostasiatisch-amerikanische Radioshow, der man auch zuhören kann, wenn man nicht südostasiatischer Herkunft ist«. Nach der Ausstrahlung einiger Kurzgeschichten Baldwins wünschten sich Hörer weitere Episoden. So entstand Baldwins Buch »English Lessons and Other Stories« (1996; Ü: Englischstunden und andere Geschichten). Die Kurzgeschichten erzählen von Frauen aus Baldwins drei Ländern: Indien, Kanada und den Vereinigten Staaten. Der Band, der mit dem Friends of American Writers Award ausgezeichnet wurde, führt Baldwins zentrales Thema ein: die Suche nach gelebter Humanität in einem kulturell hybriden Umfeld verschiedener Generationen, Nationen, Religionen, Geschichtsinterpretationen und Ideologien.
1999 erschien Baldwins erster Roman »What the Body Remembers« (dt. »Das geteilte Haus«, 2000). Er basiert auf der Familiengeschichte der Autorin und ist im britisch besetzten Indien jener Dekade angesiedelt, die der Teilung des Landes im Jahre 1949 vorausging. Die damaligen politischen Umstände spiegeln sich in der Geschichte zweier Frauen, die in einer Vielehe mit einem Mann verheiratet sind, den sie – wie es üblich ist – »Sardarji« (Herr) nennen. Die Erstfrau Satya bekämpft stolz und kompromisslos ihre junge Nebenbuhlerin Roop. Diese entwickelt sich im Verlauf der Handlung von einem naiven, ehrgeizigen Mädchen zu einer verantwortungsbewussten Frau. Nach der Eskalation der politischen Konflikte verlassen die britischen Kolonialherren den Subkontinent, der nun in einen hinduistischen und einen islamischen Teil zerfällt. Sardarji, der als Sikh weder den Hindus noch den Moslems angehört, findet sich zwischen den Fronten. Baldwins Roman wurde mit dem Commonwealth Writer’s Prize for Best Book in der Sparte Kanada/Karibik ausgezeichnet und stand wochenlang auf den Bestsellerlisten der großen englischsprachigen Länder.
Shauna Singh Baldwins letztes Werk »The Tiger Claw« (2004; Ü: Die Tigerkralle) wurde für den kanadischen Giller Prize nominiert. Der Roman spielt im Europa des Zweiten Weltkriegs. Die Hauptfigur ist von der historischen Figur Noor Inayat Khan inspiriert, einer Spionin und Widerstandskämpferin der Resistance. Sie steht zwischen dem liberalen Sufismus ihres Vaters, dem orthodoxen Islam ihres Onkels und ihrer verbotenen Liebe zu einem Juden. Nachdem Baldwin für ihren Roman die Lebensumstände unter dem Faschismus studiert hatte, entdeckte sie verstörende Parallelen zu der Sicherheitspolitik, die von ihrer Wahlheimat USA betrieben wird und die die Mittel zum Zweck heiligt. Wenn Baldwin auch alle verschiedenen Positionen – selbst die von Noors Nazi-Widersacher – als verständlich beschreibt, prangert sie doch Rassismus als den Hauptgrund für Krieg an. »Für mich handelt die Geschichte vom Triumph der Liebe und Hoffnung über Kräfte, die versuchen, unser Mitgefühl und unsere Humanität zu töten. Sie handelt von Liebe jenseits der körperlichen Existenz«, sagt die Autorin. Baldwin lebt mit ihrem Mann in Milwaukee.

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