Charlotte Van den Broeck
© Koen Broos

Gast des ilb 2021.

Bibliographie

Kameleon

De Arbeiderspers

Amsterdam, 2015

 

Cosmos, Texaco

Poëziecentrum

Gent, 2020

 

Nachtdrift

Leipziger Literaturverlag

Leipzig, 2021

[Ü: Stefan Wieczorek]

 

Wagnisse

13 tragische Bauwerke und ihre Schöpfer

Rowohlt

Hamburg, 2021

[Ü: Christiane Burkhardt]

 

Charlotte Van den Broeck [ Belgien ]

Die flämische Lyrikerin Charlotte Van den Broeck wurde 1991 in Turnhout geboren. Sie studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Gent, woran sich ein Studium der Wortkunst am Konservatorium von Antwerpen anschloss.

2015 erschien ihre erste Gedichtsammlung »Kameleon« (Ü: Chamäleon), die 2016 den Herman-de-Coninck-Debütpreis gewann. In den Gedichten geht es vor allem ums Erwachsenwerden, das zwar mit Leichtigkeit und Eleganz beschrieben wird, aber auch Momente des Missverständnisses und Misstrauens gegenüber der Welt und der Sprache der Erwachsenen werden artikuliert. Ihre Gedichte heben oft von der Realität ab und leben von mehrdeutigen Bildern in den Grenzbereichen zwischen Konkretem und Abstraktem. Mit ihrem nächsten Gedichtband »Nachtroer« (2017; dt. »Nachtdrift«, 2021), ausgezeichnet mit dem Paul Snoekprijs, wendet sich Van den Broeck dem Erwachsenenalter zu, das Thema der gescheiterten Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die Texte, die untereinander in einer inneren Verbindung stehen und damit gleichsam einen fließenden, durchkomponierten Gesamttext bilden. Beide Gedichtbände zusammengenommen zeigen ein reiches klangliches und emotionales Spektrum, das von Verspieltheit über Introspektion bis zu Melancholie reicht. In ihrem Prosadebüt »Waagstukken« (2019; dt. »Wagnisse«, 2021), einer Mischung aus Biografie, historischem Roman, Essay und Tagebuch, zeichnet Van den Broeck dreizehn Porträts von Architekten und Baumeistern verschiedener Epochen, die ein tragisches Ende nahmen. Grund für ihren Untergang oder gar Selbstmord war das Scheitern eines Bauprojekts. Das misslungene Eingreifen in die Gestaltung des öffentlichen Raums stellte nicht nur die Autorität der zumeist männlichen Architekten infrage, sondern wurde von ihnen auch als persönliches Versagen empfunden. Van den Broeck zeigt zudem eine Verbindung zwischen Bauen und Schreiben auf und stellt die Frage, ob nicht jede Form von Schöpfertum eine Art Tollkühnheit darstellt. Das Buch wurde mit dem Confituur Boekhandelsprijs 2020 ausgezeichnet und war für den Boekenbon Literatuurprijs nominiert. In ihrem Essay »Cosmos, Texaco« (2020) gibt sie Auskunft über ihre poetischen Wahlverwandtschaften.

2016 eröffnete Van den Broeck zusammen mit Arnon Grunberg die Frankfurter Buchmesse mit dem Länderschwerpunkt Flandern/Niederlande. Zusammen trugen sie ihren als Dialog aufgebauten Text »Ohne Nabel« vor, der Heimat, Herkunft und Identität thematisiert. Van den Broecks Werke wurden u. a. ins Englische, Französische, Spanische und ins Afrikaans übersetzt. Sie nahm an zahlreichen Festivals teil, u. a. Saint Amour, Poesiefestival Berlin, Woordfees Stellenbosch, Ledbury Poetry Festival, und verfolgt auf der Bühne einen performativen, körperlichen Ansatz. Sie arbeitet als Redakteurin der literarischen Zeitschrift »DW B« und lehrt literarische Analyse und Essayistik am Konservatorium Antwerpen.