Pergentino José
© Edson Caballero Trujillo

Gast des ilb 2021.

Bibliographie

Y supe que responder/Nyak mbkaabna
Secretaría de Educación Pública
Mexiko-Stadt, 2006

Hormigas rojas
Editorial Almadia
Mexiko-Stadt, 2012

Flor de zarzamora/ Yeʼ ntii
Editorial Calamus
Oaxaca, 2016

Lenguaje de pájaros
Ediciones Avispero
Oaxaca, 2014

Red Ants
Deep Vellum
Dallas, 2002
[Ü: Thomas Bunstead]

Pergentino José [ Mexiko ]

Pergentino José wurde 1981 in einem zapotekischen Dorf im pazifischen Hochland des mexikanischen Bundesstaats Oaxaca geboren. Er erwarb einen B.A. in Pädagogik an der Escuela Normal Intercultural de Tlacochahuaya und einen Master in hispanoamerikanischer Literatur an der Universidad Austral de Chile UACH.
José schreibt sowohl auf Spanisch als auch auf Loxicha, einer der Varietäten des Zapotekischen, zu dem etwa fünfzig nah miteinander verwandte indigene Sprachen gehören und dessen Ausbau durch seine Verwendung als Literatursprache ihm ein Anliegen ist. »Literarisch interessant ist in meinen Augen«, so José, »die Abkehr vom Alltäglichen und die Betonung des Ästhetischen. […] Mich interessieren das Kafkaeske, jene geschlossenen Räume, in denen man nach seiner inneren Sprache sucht.« Wichtige Referenzen für sein Schreiben sind neben Kafka auch der argentinische Autor Ernesto Sábato (1911–2011) und die japanische Literatur, nicht zuletzt japanische Gedichtformen, denn José ist hauptsächlich als Lyriker in Erscheinung getreten, teils in mehrsprachigen Ausgaben. Große Aufmerksamkeit hat auch Josés 2012 erschienener Kurzprosaband »Hormigas rojas« (Ü: Rote Ameisen) erregt, der 2020 als erstes Buch eines Autors aus der Sierra Zapoteca auch in englischer Übersetzung erschienen ist. Der Band versammelt siebzehn Kurzgeschichten, die in der Lebenswelt der Zapoteken spielen. In den mit Mythen und Legenden durchwirkten Texten gehen Historie und Gegenwart, Realismus und Magie Hand in Hand. Die titelgebenden roten Ameisen symbolisieren bei den Zapoteken das Unglück und ziehen sich leitmotivisch durch alle Texte. In stimmungsvollen, teils nachtschwarzen Schauerstücken erzählt José davon, wie eine Bevölkerungsgruppe gezwungen wird, sich anzupassen und ihre Lebensweise hinter sich zu lassen. Katholischer Fanatismus, Waldrodung, eingeschleppte Krankheiten – die Formen der Bedrohung in diesen Geschichten sind höchst unterschiedlich. Dennoch spiegelt sich in ihnen die Schönheit und Vielfalt der Kultur des »Wolkenvolks«, so die Selbstbezeichnung der Zapoteken, deren kulturelles Gedächtnis José mit seinem Schreiben zu bewahren versucht. In »Americas Quarterly« heißt es über »Red Ants«: »Die traumgleichen Schauplätze und die Offenheit der Form lassen viel Raum für Interpretation. Was aber deutlich wird, ist die Tatsache, dass die zapotekische Kultur des Schutzes bedarf. […] In ›Red Ants‹ gelingt es José, seine Leser*innen in eine andere Welt mitzunehmen, eine überraschende Welt, die man nicht so schnell vergessen wird.«
Pergentino Josés Texte sind in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen und vielfach ausgezeichnet worden. Er hat außerdem eine Reihe von Stipendien erhalten. José übersetzt auch ins Loxicha-Zapotekische und lebt in Oaxaca, Mexiko.