Natalie Díaz
© Lamp Left Media Alonso Parra

Gast des ilb 2021.

Bibliographie

When My Brother Was an Aztec

Copper Canyon Press

Port Townsend, 2013

 

Post Colonial Love Poem

Graywolf        

Minneapolis, 2020

Natalie Díaz [ USA ]

Natalie Díaz wurde 1978 im kalifornischen Needles geboren. Sie wuchs in dem Reservatsdorf Fort Mojave an der Grenze zwischen Kalifornien, Arizona und Nevada auf. Ihre Muttersprache ist Mohave, die Sprache des nördlichsten Volksstamms der Fluss-Yuma. Díaz besuchte die Old Dominion University in Norfolk, Virginia, wo sie erfolgreich in der Basketballmannschaft der Frauen spielte und im ersten Jahr das NCAA-Finale erreichte. Nachdem sie in Europa und Asien Profi-Basketball gespielt hatte, kehrte sie an die Old Dominion University zurück und erlangte 2006 den Master-Grad in Poetry and Fiction.

Ihre literarischen Texte erschienen in Periodika wie »Narrative«, »Poetry Magazine«, »Drunken Boat«, »Iowa Review« u. a. Díazʼ erster Gedichtband »When My Brother Was an Aztec« (2013; Ü: Als mein Bruder ein Azteke war) war für einen PEN/Open Book Award nominiert. In diesem Werk reflektiert Díaz Erfahrungen aus dem Leben der amerikanischen Ureinwohner in den Reservaten, überlagert von historischen und kulturellen Schichten. In den Texten des Mittelteils steht der titelgebende Bruder im Vordergrund, der abhängig ist von Crystal Meth und dessen »Schatten von seinen Schultern flattert, der Umhang eines Magiers«. Aber auch Liebesgedichte enthält die Sammlung, die sich vor allem auf subtile Beschreibungen des weiblichen Körpers konzentrieren. 2018 erhielt Díaz das angesehene MacArthur-Stipendium. Zwei Jahre später veröffentlichte sie ihr jüngstes literarisches Werk, das »Post Colonial Love Poem« (2020; Ü: Postkoloniales Liebesgedicht). Die Texte des Bandes spielen filigran mit Ausdrucksformen für Licht und Farben, zentrales Thema ist Gewalt – gegen indigene Völker, gegen menschliche Körper im Allgemeinen und gegen Mädchen und Frauen im Besonderen, aber auch die Gewalt der christlichen Religion. Der menschliche Körper wird zu einer Art lyrischen Landschaft, einer tektonischen Karte von Freude und Trauer, Gewalt und Sinnlichkeit. Eine Auflösung des Schmerzes findet ihren Ausdruck in der Hoffnung auf uneingeschränkte Liebe. »Natalie Díazʼ brillante zweite Sammlung fordert ein, dass jeder darin enthaltene Körper – Sprachkörper, das Land, Flüsse, leidende Brüder, Feinde und Liebende – berührt und gehalten wird wie eine Geliebte. Durch diese Gedichte dürfen die Wunden, die Amerika einem indigenen Volk zugefügt hat, in Blüten von Freude und Zärtlichkeit aufgehen«, schrieb »The New York Times Book Review«.

Als Sprachaktivistin setzt sich Díaz für die Wiederbelebung von Mohave ein. Derzeit lehrt sie moderne und zeitgenössische Poesie an der Arizona State University. Sie wurde u. a. ausgezeichnet mit dem Nimrod/Hardman Pablo Neruda Prize for Poetry sowie dem Narrative Poetry Prize und erhielt das Lannan Literary Fellowship. Die Autorin lebt in ihrem Heimatreservat Fort Mojave, Arizona.

https://www.nataliegermainediaz.com