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Mindesthöhe

Writing Space

David Grossman (Israel)                                                      « | | »


Mein Schreibraum

Wenn ich schreibe, dann gehe ich auch immer, gedrängt mich zu rühren, in Bewegung zu sein. Der Ort selbst ist mir weniger wichtig. Ich schreibe zu Hause, in gemieteten Wohnungen, in Cafés, auf Reisen, in Flughäfen und Flugzeugen – in jedem freien Moment (eigentlich denke ich gerade, dass die Zeit mein Schreibraum ist, mehr als jeder physikalische Raum). Meine Frau macht sich über mich lustig und meint, ich könne auch in einem Mixer schreiben.

Wegen des Bedürfnisses, in Bewegung zu sein, bevorzuge ich einen Ort, an dem ich auf und ab gehen kann. Gerne draußen, in der Natur, aber auch ein kleines Zimmer würde ausreichen. Normalerweise sitze ich an einem Tisch, wenn ich beginne zu schreiben, doch jede neue Idee, jeder neue Gedanke lassen mich von meinem Platz aufspringen, und danach bin ich nicht mehr in der Lage zu sitzen und beginne zu gehen, manchmal drei, vier Stunden lang, und meistens im Kreis, ein bisschen wie ein Häftling.

Vor einigen Jahren, während des Schreibens von „Sei du mir das Messer“, mietete ich eine Ein-Zimmer-Wohnung in einer kleinen Stadt im Norden Israels. Ich kaufte Essen für zehn Tage, und während all dieser Tage ging ich nicht ein einziges Mal aus dem Haus. Viele Stunden am Tag und in der Nacht ging ich in dem kleinen Zimmer umher, immer im Kreis, ich schrieb und ich lief, und wenn mir die Kraft ausging, fiel ich auf das Sofa, das dort stand, schlief für einige Stunden, stand wieder auf und schrieb weiter. Die Vermieterin, die in der Wohnung unter mir wohnte, beschwerte sich, dass ich sie um den Verstand brächte mit meinem ständigen Im-Kreis-Gehen, und alle paar Tage klopfte sie und lugte über meine Schulter. Ich hatte das Gefühl, sie überprüfe, ob ich nicht eine Brandspur auf ihrem Teppich hinterließe. Als ich von jenem Ort, es waren zwei Stunden Fahrt, nach Hause zurückkam, hatte ich einen Jetlag als ob ich vom Ende der Welt käme (und tatsächlich kam ich von dort).

[Übersetzung: Jan Martin Ogiermann]


Das internationale literaturfestival berlin ist eine Veranstaltung der Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik e.V. und der Berliner Festspiele unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO- Kommission. Es wird ermöglicht aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.
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