
Am liebtsten ein leeres Zimmer. Ein Tisch, den ich vors Fenster rücke.
Da ich an den wechselnden Orten schreibe, schiebe ich immer irgendwo
einen Tisch ans Fenster. Auf dem Tisch ein Tasse Karffee oder Tee, ein
paar Bücher (dann gibt es keine Wände mehr), 2 Fotos, ein CD-Walkman
plus Kopfhörer, Musik. Tatsächlich ist der Raum, wo ich schreibe, in
meinem Kopfhörer. Ihn aufzusetzen bedeutet, mit einer simplen Bewegung
die eine Welt ausschalten und sich in der Stille einer anderen
wiederfinden. Erst wenn sich nichts regt, keine Menschen auftauchen und
ich keine Stimmen höre, die Musik: laut, unbändig, fast wie ein Schock.
Jaqueline du Prês’ tanzender Bogen in meinen Schläfen, dunkel rauchig
Bob Dylan, Schubert, Catpower, Arvo Pärt, alles durcheinander und doch
auf einmal auch präzise etwas in mir/einem entsprechend, das eine
Stimmung sein könnte oder Gefühle, deren Schalen aufbrechen und
Gedankenkeime freisetzen, Erinnerungssplitter, Sekundenfilme in
Zeitraffer oder Zeitlupe, Lichtstaub, die Welt in Elemente zerlegt, die
sich neu kombinieren.
Vielleicht ist mein Raum in der Wohnung meines Kopfhörers die Musik.
Manchmal schreibe ich aber auch in einem Zimmer, das nirgendwo zu
finden ist, allenfalls wiedererkennbar in einer der Geschichten. Das
ist dann so als würde man sagen: manchmal kann ich fliegen.
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