10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Literatur hinter Gittern

In der Sparte Literatur hinter Gittern, hat das internationale literaturfestival berlin jährliche Lesungen in verschiedenen Gefängnissen Berlins veranstaltet. Inspiriert vom Gefängnistheaterprojekt 'aufBruch' dessen Produktionen mit Häftlingen weltweite Aufmerksameit verursachten, organisierte Martin Jankowski 2002 erstmalig ein literarisches Programm für Häftlinge in den Haftanstalten der Stadt.

Als im Herbst 2001 das Rahmenprogramm (d. h. die Programmsparte „Specials“) des ilb entworfen wurde, kam der damit beauftragte Mitarbeiter Martin Jankowski auf dem Nachhauseweg an einem kleinen Büro vorbei. Im Schaufenster berichtete ein Kunstverein über seine Theaterarbeit mit Gefangenen in Berliner JVA. Die Sache schien interessant, also vertiefte er sich in den ausgestellten Text. Als er schließlich weitergehen wollte, kam eine Frau heraus und lud ihn auf einen Tee ins Büro ein. Aus dieser ersten Begegnung entstand die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem legendären AUFBRUCH Gefängnistheater, dessen Inszenierungen mit Berliner Häftlingen inzwischen weltweit Furore machen. Von diesen Künstlern, wie schon durch das Poesiefestival in Medellin, ließen wir uns anregen, ein literarisches Programm für die Insassen der Berliner Gefängnisse zu entwickeln, und es entstand unsere LITERATUR HINTER GITTERN – schließlich ist Literatur für alle da!
International renommierte Gastautoren des ilb gehen seit 2002 für einen Nachmittag oder Abend während des Festivals freiwillig (und honorarfrei) HINTER GITTER, um aus ihren Büchern zu lesen und mit den Gefangenen zu diskutieren. Ein fast immer für beide Seiten unvergessliches literarisches Abenteuer. Rasch wurde LITERATUR HINTER GITTERN als Veranstaltungsform zum Modell und fand sowohl von den Gefangenen als auch unter den Autoren großen Zuspruch. Wir gingen in die großen Männerknäste oder in kleinere Frauengefängnisse Berlins, in die legendäre U-Haftanstalt in  Moabit, aber auch in die Jugendstrafanstalt oder in den ungewöhnlichen Freigängerknast Hakenfelde und brachten Literatur und geistige Anregungen zu diesem Publikum. Auch mancher zunächst skeptische JVA-Beamte begann den Sinn unseres Programms anzuerkennen und schließlich sogar zu schätzen! Heute sind die Unterstützung und das Interesse enorm.
Unter den internationalen Autoren wurden die Bereitschaft und das Interesse, im Gefängnis zu lesen, schließlich so groß, dass wir gar nicht alle Angebote und „Bewerber“-Wünsche realisieren konnten − denn wie man sich denken kann, ist der organisatorische Aufwand für solche Veranstaltungen im Vergleich zu normalen Lesungen recht hoch. Seit dem Jahr 2005 wird LITERATUR HINTER GITTERN wegen der großen Nachfrage deshalb nach Möglichkeit nun auch außerhalb des Festivals das ganze Jahr über (von Martin Jankowski und der Berliner Literarischen Aktion e. V.) fortgeführt. Die Presse nicht nur in Deutschland hat dieses besondere Special vielfach beachtet, manche deutsche JVA übernimmt unseren Ansatz und entwickelt eigene Veranstaltungsformen daraus. 
Besonders erfreulich ist, dass LITERATUR HINTER GITTERN seit dem Jahr 2010 schließlich zum europäischen Modell geworden ist: In zwei gesamteuropäischen Programmen zu „Arts and Culture in Prisons“ sind Jankowski und Team wegen ihrer nunmehr neunjährigen erfolgreichen Arbeit bis 2012 auch als Partner und Berater für Literaturveranstaltungen und die deutsche „Gefängniskultur“ auf EU-Ebene aktiv.

Literatur hinter Gittern 2002-2014

10.09.2014 JSA Berlin: Reinhard Kleist
16.09.2014, JVA Tegel: Jenny Erpenbeck
17.09.2014, JVA Moabit: John Burnside
09.09.2013, JSA Berlin: Gabi Beltrán (Spanien) „Geschichten aus dem Viertel“
10.09.2013, JVA Moabit: Georg Klein (Deutschland) „Roman unserer Kindheit“
12.09.2013, JVA Tegel: Khaled Al-Khamissi (Ägypten) „Im Taxi. Unterwegs in Kairo“
10.09.2012, JVA Tegel: Bjarni Bjarnason (Island) „Die Rückkehr der Jungfrau Maria“
11.09.2012, JSA Berlin: Nils Mohl (Deutschland) „Es war einmal Indianerland“
12.09.2012 JVA Moabit: Priya Basil (Großbritannien) "Die Logik des Herzens"
14.09.2011, JSA Berlin: Jaroslav Rudiš (Tschechische Republik), „Es war einmal Indianerland“
09.09.2011, JVA Tegel: DBC Pierre (Australien/Irland)
20.09.2010, JVA Tegel: György Dragomán (Ungarn) "Der weiße König"
21.09.2010, JVA Moabit: Franzobel (Österreich) "Picus - Novelle"
11.09.2009, JSA Plötzensee: Wilfried N'Sondé (Kongo / Berlin) "Das Herz der Leopardenkinder"
15.09.2009, JVA Tegel: John Wray (USA / Österreich) "Retter der Welt"
16.09.2009, JVA Moabit: Robert Littel (USA / Frankreich) "Das Stalinepigramm"
26.09.2008, JVA Tegel: Nancy Huston (Frankreich / Canada) "Ein winziger Makel"
30.09.2008, JVA Moabit: Wilfried N'Sondé (Kongo / Berlin) "Das Herz der Leopardenkinder"
30.09.2008, JVA Hakenfelde: Kiran Nagarkar (Indien) "Der kleine Krieger"
07.09.2007, JVA Tegel: Katja Lange-Müller (Deutschland) "Böse Schafe"
10.09.2007, JVA Tegel: Benjamin Kunkel (USA) "Unentschlossen"
12.09.2007, JVA Hakenfelde: Lê Thi Diem Thúy (USA) "Das Weinen des Schmetterlings"
13.09.2007, JVA Moabit: Nicholas Shakespeare (England) "In dieser einen Nacht"
12.09.2006, JVA Tegel: Dag Solstad (Norwegen) "Professor Andersens Nacht"
13.09.2006, JVA Moabit: Claire Keegan (Irland) "Wo das Wasser am tiefsten ist"
07.09.2005, JVA Tegel: Tomas Lieske (Niederlande) "Gran Café Boulevard"
14.09.2005, JVA Moabit: Wanda Coleman (USA) "Gedichte und Songs"
22.09.2004, JVA Tegel: Susanne Riedel (Deutschland) "Die Endlichkeit des Lichts"
27.09.2004, JVA Moabit: Martin Amanshauser (Österreich) "Chicken Christl"
27.09.2004, JVA Lichtenberg: Andrés Barba (Spanien) "Katjas Schwester"
15.09.2003, JVA Tegel: Feridun Zaimoglu (Deutschland) "Zwölf Gramm Glück"
17.09.2003, JVA Lichtenberg: Tilman Rammstedt (Deutschland) "Erledigungen vor der Feier"
18.09.2002, JVA Tegel: Alan Duff (Neuseeland) "Once were warriors"
20.09.2002, JVA Tegel: Silke Scheuermann (Deutschland) "Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen"

 

Gefördert durch den Verein der Freunde und Förderer des internationalen literaturfestivals berlin e.V.

 

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