Zeruya Shalev [ Israel ]
Biographie
Zeruya Shalev wurde 1959 im Kibbuz Kinneret in Galiläa, Israel, geboren. Sie studierte Bibelwissenschaften an der hebräischen Universität Jerusalem und arbeitete nach dem Studium zunächst als Lektorin.
2000 erschien auf Deutsch »Liebesleben« (»Ḥayyê ahavā«, 1997), der erste Band einer Romantrilogie, mit der sie als Schriftstellerin internationale Berühmtheit erlangte. Sie erhielt hierfür den Golden-Book-Preis des israelischen Verlegerverbandes sowie den Preis des israelischen Ministerpräsidenten. Es folgten »Ba’al we-ischa« (2000; dt. »Mann und Frau«, 2001) und »Terā« (2005; dt. »Späte Familie«, 2005). In den drei Werken geht es vor allem um eines: um die Liebe in den heutigen Zeiten mit all ihrer Leidenschaft oder auch tiefen Enttäuschung und um die Familie. In »Liebesleben« verfällt die Protagonistin der Leidenschaft zu einem viel älteren Mann, einem Freund ihres Vaters. Obwohl sie sich der Aussichtslosigkeit dieser Beziehung bewusst ist, gibt sie sich der Liaison bedingungslos hin und entsagt ihren bisherigen Vorstellungen vom Leben komplett. Die Geschichte spiegelt ein unruhiges Leben in einem von Unruhen geprägten Land. 2007 wurde der Roman erfolgreich verfilmt. In »Mann und Frau« erzählt die Autorin die Geschichte einer scheinbar perfekten Kleinfamilie. Die Ehe der Eltern befindet sich jedoch in einer tiefen Krise. Auch in »Späte Familie« geht es um diese Thematik. Nach dem Ende ihrer Ehe wagt die Protagonistin hier einen Neuanfang. Zeruya Shalev weiß, wovon sie schreibt. Sie selbst lebt in dritter Ehe in einer Patchwork-Familie – für die Autorin einerseits ein Zeichen von Freiheit, andererseits bedarf es viel Kraft, sie zusammenzuhalten.
2004 wurde die Autorin bei einem Selbstmordanschlag in Jerusalem schwer verletzt. Ein voll beladener Bus explodierte direkt neben ihr, mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Unter den körperlichen und seelischen Folgen des Attentats leidet Zeruya Shalev noch heute. In einem Interview bezeichnete sie den Nahen Osten einmal als einen »grausamen Ort mit grausamen Regeln«. Ihr neuester Roman »Sheʼerit ha-ḥayim« (2011; dt. »Für den Rest des Lebens«, 2012) handelt vom Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern. Die Autorin zeigt darin, wie sehr einen die eigene Familie ein Leben lang prägt. Auch wenn man selbst schon erwachsen ist, so bleibt man doch immer das Kind seiner Eltern. Die Protagonistin des Romans scheitert an dem Versuch, sich von dieser emotionalen Bindung zu lösen. Sie wurde von ihrer Mutter vernachlässigt und ihre Probleme mit der eigenen erwachsenen Tochter erscheinen als Konsequenz daraus. Sie sehnt sich nach einem Sohn und beschließt, einen kleinen Jungen aus Russland zu adoptieren. Zeruya Shalev verarbeitet hier auch ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Von dem Terroranschlag schwer traumatisiert, entschied sie sich dazu, ein russisches Kind zu adoptieren, um der sinnlosen Gewalt in ihrem Land ein Zeichen der Nächstenliebe entgegenzusetzen.
Zeruya Shalev lebt und arbeitet heute als freie Autorin in Jerusalem.






