Sigurbjörg Thrastardóttir [ Island ]
Biographie
Sigurbjörg Þrastardóttir wurde 1973 in Akranes geboren. Sie schloss 1997 ein Studium der Allgemeinen Literaturwissenschaft und 1998 ein Studium der Angewandten Medienwissenschaft an der Universität Islands ab und arbeitete neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit lange als Journalistin bei der isländischen Tageszeitung »Morgunblaðið«.
Sigurbjörg Þrastardóttir wird zur Gruppe der Grafarvogur-Poeten gezählt. Diese ist nach einem Vorort Reykjavíks benannt, dessen − im Gegensatz zum überschäumenden Leben Reykjavíks − unspektakuläre Umgebung der Gruppe Themen für ihre Texte liefert, die immer wieder Kontemplationen über das moderne Leben und die Hysterien der Großstädte und der Medien enthalten. Die Autorin verwahrt sich gegen die Mythenbildungen über das Dasein von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, insbesondere denjenigen, ein tragisches Leben sei der beste Nährboden für eine lebendige Dichtung. In einem Interview führte sie dazu aus: »Im Grunde finde ich, dass es die Leute wenig angeht, wie Schriftsteller, Komponisten, Bildhauer oder andere ihr Leben leben – es sollte zumindest nicht das Verständnis ihrer Werke beeinflussen. Momentaufnahmen einer Person haben ohnehin nur begrenzte Aussagekraft. Können Bankangestellte nicht trotzdem im Gefängnis landen? Oder: können glückliche Menschen nicht ebenfalls gute Poeten sein? Mythen zermahlen sich selbst.« Seit dem Erscheinen ihres ersten Werks, des Lyrikbandes »Blálogaland« (Ü: Blauflammenland), im Jahr 1999 hat Sigurbjörg Þrastardóttir zahlreiche Lyrikbände, Theaterstücke und den Roman »Sólar saga« (Ü: Die Geschichte von Sól) veröffentlicht, der 2002 mit dem Tómas-Guðmundsson-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. 2000 wurde ihr Lyrikband »Hnattflug« (Ü: Erdumrundung) vom isländischen Buchhandel zum besten Gedichtband des Jahres gewählt. Ihr Verspoem »Blysfarir« (dt. »Fackelzüge«, 2011) wurde 2009 für den renommierten Preis des Nordischen Rates nominiert. Es ist eine existenzielle Geschichte über den Kampf eines ungleichen Paares, angesiedelt zwischen den Landschaften Islands, den Transiträumen der Flughäfen und dem Großstadtdschungel Berlins. Die Drogensucht des einen und die Sehnsucht der anderen nach Nähe stehen wie Zwillingsschwestern im Zentrum dieser Beschreibung einer zerstörerischen Liebesbeziehung aus der Perspektive der jungen Frau. Beim Erscheinen des Bandes in Island erregte Sigurbjörg Aufsehen mit dem Vorschlag, das Buch zusammen mit den international sehr erfolgreichen Krimis von Arnaldur Inðridasson zu vermarkten und Lyrik auch als »Pageturner« zu behandeln, weil, wie sie ausführte, »die klassischen Besprechungen von Gedichtbänden oft nahelegen, dass es ein gutes Buch für den Nachttisch sei, um vor dem Schlafen kurz hineinzuschauen. Nicht, um sich nächtelang damit zu beschäftigen. [...] Es war der Versuch, die Leute aus den gewohnten Denkmustern zu befreien.«
Sigurbjörg Þrastardóttir lebt in Reykavík und ist 2011/12 Stipendiatin der Villa Concordia in Bamberg.
© internationales literaturfestival berlin





