Marica Bodrožić [ Deutschland, Kroatien ]
Biographie
Marica Bodrožić wurde 1973 in Svib, einem Dorf in Dalmatien, geboren. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr wuchs sie in Dalmatien bei ihrem Großvater auf, folgte dann ihren Eltern nach Deutschland und begann die deutsche Sprache zu lernen. Diese Erfahrung charakterisierte sie in ihrem autobiografischen Text »Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern« (2007) als einschneidendes Erlebnis: »Es tat mir gut, der Wirklichkeit ein Bein zu stellen, und ich war glücklich, unbekannte Wörter zu hören und den Luftsaum zwischen den Buchstaben mit meiner eigenen Zunge zu ergründen.« In Frankfurt am Main studierte Marica Bodrožić Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik.
2002 erschien ihr erster Erzählungsband »Tito ist tot«. Detailgenau, mit suggestiver Bildkraft und Ausdrucksstärke schildert sie ihre Erinnerungen an Dalmatien aus einer kindlichen Perspektive. In vielen ihrer frühen Texte widmete sie sich dieser Landschaft – Mittelmeer, Karst, Unwetter und der Einfluss der Landschaft auf das Leben der Menschen. Mit dem »Grenzgänger-Stipendium« der Robert-Bosch-Stiftung unternahm Bodrožić 2004 eine Recherchereise nach Kroatien und durchstreifte sowohl die Stadtarchive als auch die kroatische Inselwelt. Dabei entstand ihr zweiter Erzählungsband »Der Windsammler« (2007): Landschaftsporträts und Seelenbilder im Wechsel der Jahreszeiten. Die Figuren befinden sich im Schwebezustand zwischen Warten und Träumen, Diktatur und Krieg kommen nur am Rande in mystifizierter Form vor. Weitaus konkreter wird ihr Erzählen im Roman »Das Gedächtnis der Libellen« (2010). Eine junge Frau verliebt sich in einen verheirateten Mann, kostet diese Liebe exzessiv aus, bis sie schließlich Abschied nehmen muss von der Illusion einer gemeinsamen Zukunft. In einer monologisch niedergeschriebenen Selbstwerdung kommen auch die beiden anderen Themen dieses als Beginn einer Trilogie angelegten Romans zum Tragen: die Familiengeschichte der Erzählerin, in der die große Lücke der libellenmordende und nach Amerika geflohene Vater darstellt, und die Freundschaft zu Arjeta, die die Belagerung von Sarajevo überlebt hat. Dem lyrischen Charakter in Bodrožićs Prosa steht der vorwiegend erzählerische ihrer Lyrik gegenüber. 2011 erschien ihr dritter Gedichtband »Quittenstunden«. In 25 Texten begibt sich ein tastendes lyrisches Ich auf Reisen durch fremde Städte und Landschaften und schafft für die Spiegelungen äußerer Erfahrungen und eigener Erinnerungen den Raum eines inneren Gedächtnisses, in dem es um Liebe, Schmerz und Gewalt geht. Das Thema der Zweisprachigkeit behandelte Marica Bodrožić außerdem in ihren Essays und Features. Zudem arbeitet sie als Übersetzerin aus dem Kroatischen und Englischen.
Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt sie 2002 den Heimito-von-Doderer-Förderpreis sowie 2007 den Literaturpreis der Akademie der Künste Berlin. Marica Bodrožić lebt in Berlin.
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