Andrej Kurkow [ Ukraine ]
Biographie
Andrej Kurkow wurde 1961 in Budugošč’ in der Nähe von Leningrad (heute: Sankt Petersburg) geboren. Seit seiner frühen Kindheit lebt er in Kiew, seine Muttersprache ist Russisch. 1983 schloss er sein Studium am Kiewer Staatlichen Pädagogischen Fremdspracheninstitut ab – Kurkow beherrscht sieben Sprachen – und ging danach verschiedenen Tätigkeiten nach. Bereits als Schüler hatte er angefangen zu schreiben. Bis heute verfasste er 13 Romane und fünf Kinderbücher.
Seine Erstlinge wie »Smert’ postoronnego« (1996; dt. »Picknick auf dem Eis«, 1999), »Dobryj angel smerti« (2000; dt. »Petrowitsch«, 2000) und »Milyj drug, tovarišč pokojnika« (2001; dt. »Ein Freund des Verblichenen«, 2001) sind Kriminalromane, die abgesehen von ihrer dynamischen Handlung ein Sittenbild vom Kiew der Nach-Perestroika-Zeit zeichnen. Zumeist sind Tiere und einsame Randfiguren die Helden dieser Geschichten, die in einer demoralisierten und egoistischen Gesellschaft gescheitert und überdies in eine extreme Situation geraten sind. Dabei ist der Erzählfluss – ganz anders als üblicherweise in Thrillern – meist ruhig und die Stimmung vorwiegend melancholisch. Neben Krimis schreibt Kurkow auch Gesellschaftsromane, die politische und philosophische Fragen aufwerfen. In »Poslednjaja ljubov’ presidenta« (2005; dt. »Die letzte Liebe des Präsidenten«, 2005) geht es um den fiktiven ukrainischen Präsidenten Bunin, der in seiner wachsenden Handlungsunfähigkeit immer mehr zum Spielball seiner Berater wird. Mit dieser Groteske verweist Kurkow auf zwielichtige Figuren der jüngsten ukrainischen Geschichte – Viktor Juščenko und Julia Timošenko. Auch seine Erzählungen aus dem Band »Herbstfeuer« (2007) entbehren nicht der spielerischen Erzählhaltung und des schwarzen Humors, die Kurkows Prosa zu eigen sind. Kurkows Roman »Nočnoj moločnik« (2007, dt. »Der Milchmann in der Nacht«, 2009) spiegelt erneut die Absurditäten des Kiewer Alltags. Liebesgeschichte, schwarze Komödie, Krimi und Gesellschaftssatire zugleich, schildert er das Leben der ukrainischen Mittelschicht, die sich in den Vororten der Hauptstadt mit Dienstleistungen aller Art über Wasser hält. In seinem jüngsten Roman »Skazanie ob istinno narodnom kontrolere« (dt. »Der wahrhaftige Volkskontrolleur«, dt. 2011) erzählt er, zwischen Realität und Fantasie changierend, von Pawel Dobrynin, der unerwartet zum »Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion« gewählt wird und auf seinen Reisen den schillerndsten Figuren begegnet, u.~a. einem desertierten Engel auf der Suche nach einem gerechten Sowjetbürger, denn den gibt es im Himmel noch nicht.
Kurkows Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, u.~a. ins Deutsche, Französische und Spanische. Der Autor hat für über zwanzig Spiel- und Dokumentarfilme Drehbücher geschrieben und arbeitete in dieser Funktion auch für das Staatliche Filmstudio A. Dovženko in Kiew. Andrej Kurkow lebt in Kiew.
© internationales literaturfestival berlin





