10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Julia Kissina [ Russland, Deutschland ]

Biographie

© privat
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Gast des ilb 2010.

Bibliographie

Poliot golubki nad grjazjy fobii
Obscuri Viri
Moskau, 1993

Prostie zelanija
Alethea
Petersburg, 2001

Vergiss Tarantino
Aufbau-Verlag
Berlin, 2005
[Ü: Ganna-Maria Braungardt]

Milin und der Zauberstift
Bloomsbury
Berlin, 2005
[Ü: Ganna-Maria Braungardt]

Ulibka topora
Colonna Publications
Petersburg, 2007

Dead Artists Society
Verlag für moderne Kunst
Nürnberg, 2010

Julia Kissina wurde 1966 in Kiew geboren, lebte bis 1990 in Moskau und studierte an der Moskauer Filmhochschule (WGIK) im Fachbereich Drehbuch sowie an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie gehörte zum Moskauer Konzeptualismus und war eine wichtige Vertreterin der russischen Underground-Literatur. In den 1980er und 1990er Jahren war sie zusammen mit Vladimir Sorokin und Pavel Pepperstein ständige Autorin von zwei bedeutenden intellektuellen Zeitschriften in Russland, »Obscuri viri« in Moskau und »Mitin Journal« in Petersburg.

Ihr Debüt »Des Täubchens Flug über den Schlamm der Phobie« (1992) wurde trotz einer kleinen Auflage zu einem Samisdat-Kult. Später erschienen Lyrik und Prosa in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, u.~a. in der in verschiedene Sprachen übersetzten Anthologie moderner russischer Literatur »Russische Blumen des Bösen« (1997). Ihr erster Erzählband auf Deutsch wurde 2005 unter dem Titel »Vergiss Tarantino« veröffentlicht. 2005 erschien Kissinas Kinderbuch »Milin und der Zauberstift«, das fantastische, Märchen- und Gruselelemente vereint. In all ihren Werken ist ihr Stil geprägt von skurrilem Humor, scharfer Beobachtungsgabe und einem ausgeprägten Gespür für bizarre Situationen. Eines ihrer essenziellen Themen sind die gegenseitige Durchdringung und Untrennbarkeit von Grausamkeit und kulturellem Gedächtnis, die sich unter den Schichten der Ironie und intertextuellen Verweisungen verbergen. Experimente mit Wort und Sujet sind ebenso charakteristisch für sie wie der Dialog mit und die bewusste Abweichung von der Tradition der Konzeptliteratur.

Als Künstlerin ist sie bekannt geworden durch ihre Fotografien. In den 1990er Jahren entwickelte sie das Verfahren der »performativen Fotografie« und führte eine Reihe von künstlerischen Aktionen durch, u.~a. »Göttliche Jagd« (Führung von Schafen durch das Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main, 2000). 2006 gründete sie die »Dead Artists Society«, die in spiritistischen Sitzungen ironische Dialoge mit verstorbenen Künstlern wie Duchamp und Malewitsch führte.

Für das Buch »Einfache Wünsche« (2001) wurde Julia Kissina für den Andrej-Bely-Preis nominiert, 2006 erhielt sie das Literaturstipendium des Berliner Senats. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

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