Ann Cotten [ USA ]
Biographie
Ann Cotten wurde 1982 in Ames, Iowa, geboren. Mit fünf Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Wien und begann Deutsch zu lernen. Die englische Sprache, die zu Hause gesprochen wurde, und die deutsche Sprache, mit der sie die Welt entdeckte, wurden zu ihren Muttersprachen. 2006 schloss sie ihr Germanistikstudium mit einer Arbeit über die Listen in der Konkreten Poesie ab.
Nachdem sie auf Poetry-Slams in Erscheinung getreten war sowie Gedichte und Prosa in verschiedenen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht hatte, erschien 2007 ihr erster Gedichtband »Fremdwörterbuchsonette«. Die alte Form des Sonetts aus zwei Vier- und einem Dreizeiler, die sie für die 78 durchnummerierten Doppelsonette dieses Bandes frei variiert – und dadurch zu einer eigenen dynamischen Struktur findet –, bezeichnet Ann Cotten als »schöne Maschine«. Die Fremdwörter dienen ihr einerseits als Ausgangspunkt, andererseits als Ordnungsprinzip. »Die Zeit« schrieb dazu: »Ann Cotten ist das neue Gesicht der deutschen Lyrik: Leicht blass noch und an den Rändern unscharf.« In ihrer Sprache wechselt hehrer Ausdruck mit Slang. Der Ton ist mal lakonisch, mal furios. Vermessen und kompromisslos bricht sie die Regeln der Grammatik, übergeht gewohnte Satzstrukturen und eignet sich neue Sprach- und Textformen an. Unter ihren Vorbildern kann man Shakespeare, Hölderlin, Eichendorff, Patti Smith u. a. vermuten. Eines der Sonette beginnt: »Gegen die Schönheit wettern, das steht mir an als Mädchen.« Ann Cottens Veröffentlichung »Florida-Räume« (2010) ist eine Sammlung von genreübergreifenden Texten, in denen sie mit Sprache und Form experimentiert. Die erdachten Autoren der Texte sind verschiedene Fantasiewesen, die ihre lyrischen, essayistischen und erzählerischen Texte auf Einladung einer unbekannten Macht verfasst haben. Zuletzt beteiligte Cotten sich an dem merve-Band »Helm aus Phlox – Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs« (2011), in welchem sie sich zusammen mit vier weiteren Dichtern auf spielerische Art einer Vielzahl von poetischen Problemstellungen widmet: von »Studien zur Panik dichterischer Praxis« bis hin zu einer »Grammatik des Denkens«.
Seit 2008 tritt Cotten regelmäßig mit den Autorinnen Monika Rinck und Sabine Scho als »Rotten Kinck Schow« in Österreich und Deutschland auf. Der Dichterinnengipfel verbindet lyrische Experimente mit theoretischen Exkursen, man kann sich ihn als »umgeben von einem dichten Blizzard, der, soweit man einem solchen trauen kann, ungefähr im Kreis weht« vorstellen. 2007 wurde Ann Cotten mit dem österreichischen Reinhard-Priessnitz-Preis und 2008 mit dem Clemens-Brentano-Förderpreis für Literatur der Stadt Heidelberg ausgezeichnet. Sie lebt als Schriftstellerin und Übersetzerin in Berlin.
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