10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Siegfried Lenz [ Deutschland ]

Biographie

©:Ingrid von Kruse
©:Ingrid von Kruse

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Es waren Habichte
in der Luft
Hoffmann und Campe
Hamburg, 1951

Das Feuerschiff:
Erzählungen
Hoffmann und Campe
Hamburg, 1960

Deutschstunde
Hoffmann und Campe
Hamburg, 1968

Heimatmuseum
Hoffmann und Campe
Hamburg, 1978

Schweigeminute
Hoffmann und Campe
Hamburg, 2008

Die Versuchsperson
Hoffmann und Campe
Hamburg, 2009

www.siegfried-lenz.de

Siegfried Lenz wurde 1926 in der Kleinstadt Lyck in den Masuren geboren. Nach dem Notabitur zog
ihn 1943 die Marine ein. Vor Ende des Krieges desertierte Lenz in Dänemark, geriet in britische Kriegs -
gefangenschaft, kam aber noch 1945 wieder auf freien Fuß und begann Philosophie, Anglistik und
Germanistik in Hamburg zu studieren. Als sich ihm 1948 die Chance bot, bei der Zeitung »Die Welt«
ein Volontariat zu beginnen, brach er sein Studium ab. Vom Honorar seines ersten Romans, »Es waren
Habichte in der Luft« (1951) machte er eine Reise auf einem Bananendampfer nach Kenia. Nach
seiner Rückkehr nach Hamburg fasste er den Entschluss, als freier Schriftsteller zu leben.
Ab 1952 war er regelmäßig Teilnehmer bei den Treffen der »Gruppe 47«, wo er andere bedeutende
Autoren wie Günter Grass und Ingeborg Bachmann kennenlernte. Gemeinsam mit Grass engagierte
sich Lenz für die SPD und die Ostpolitik Willy Brandts, die ihm auch wegen seiner Herkunft wichtig
war. Die Verbundenheit zu den Masuren verarbeitete Lenz literarisch u.a. in dem Erzählband »So
zärtlich war Suleyken« (1955) und dem Roman »Heimatmuseum« (1978).
Lenz selbst hat einmal gesagt: »Schreiben ist für mich die beste Möglichkeit, um Personen, Handlungen
und Konflikte verstehen zu lernen.« So greift er zumeist in klassisch-realistischer Erzählweise
zeitgeschichtliche Themen auf, ähnlich wie Ernest Hemingway. Sein bekanntester Roman »Deutschstunde
« (1968) handelt von einem Jugendlichen, der sich gegen seinen obrigkeitshörigen Vater auflehnt
und wirft einen kritischen Blick auf die Themen Pflichterfüllung und Verantwortung im restaurativen
Nachkriegsdeutschland. Ein weiterer großer Erfolg war Lenz’ Erzählung »Feuerschiff« (1960),
eine Parabel über gewaltfreien Widerstand und Verantwortung.
Machten ihn seine früheren Werke zu einem »Schilderer Deutschlands in seiner Zerrissenheit, auf
dem Wege, sich selbst wiederzufinden« (Fritz J. Raddatz, »DIE ZEIT«), widmet er sich in den letzten
Jahren häufig eher menschlich-psychologischen Themen. So handelt seine Novelle »Schweigeminute
« (2008) von einem Schüler, der sich auf einer Gedenkfeier für seine verunglückte Lehrerin an die
innig-verbotene Liebe zwischen ihr und ihm erinnert. Und in dem Theaterstück »Die Versuchsperson«
(2009) geht der Autor auf amüsante Weise der Frage nach, ob Bücher die Welt oder nicht wenigstens
die Menschen verändern.
Siegfried Lenz zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Erzählern der Gegenwart. Er wurde
mit zahlreichen Preisen geehrt, u. a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem
Goethepreis der Stadt Frankfurt und zuletzt dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.

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