10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Sayed Kashua [ Israel ]

Biographie

©:Berlin Verlag
©:Berlin Verlag

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Tanzende Araber
Berlin Verlag
Berlin, 2002
[Ü: Mirjam Pressler]

Da ward es Morgen
Berlin Verlag
Berlin, 2005
[Ü: Mirjam Pressler]

Sayed Kashua wurde 1975 im Tira in Israel geboren. Ab dem 15. Lebensjahr besuchte er als einer der wenigen arabischen Studenten das Internat der Israelischen Akademie für Kunst und Wissenschaft in Jerusalem. Er absolvierte ein Studium der Philosophie und Soziologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, war als Journalist beim israelischen Magazin »kol ha-ir« angestellt und schreibt gegenwärtig eine satirische Kolumne für die israelische Tageszeitung »Ha’aretz«.

2002 veröffentlichte er auf Hebräisch seinen ersten Roman »Ar avim roqedim« (dt: Tanzende Araber), der mit deutlich autobiografischen Zügen Jugend und Adoleszenz eines begabten israelischen Arabers thematisiert. In tragikomischer Tonlage wird der letztlich scheiternde Versuch einer sprachlichen, sozialen und kulturellen Integration in die Mehrheitsgesellschaft geschildert. Der Protagonist schwankt zwischen Überanpassung und Selbstbehauptung. Damit entlarvt und kritisiert er Stereotypen, Selbst- und Fremdwahrnehmung der arabischen wie der jüdischen Israelis. Diese Vorgehensweise brachte dem Autor von jüdischer Seite Kritik und von arabischer Seite den Vorwurf des Verrats ein.

Der 2005 veröffentlichte Reportageroman »Way-yehi boqer « (dt: Da ward es Morgen) präsentiert einen ähnlichen zwischen den Identitäten angesiedelten Helden. Ein israelischer Araber verliert seinen Job als Redakteur und kehrt mit seiner Familie aus Tel Aviv in seinen Heimatort Tira zurück. Bei seinem Versuch, sich wieder ins Dorfleben zu integrieren, enthüllen sich ihm die Doppelmoral und Verlogenheit der Gesellschaft, die Herrschaft der Clans, Nepotismus und Korruption. Als die israelische Armee das Dorf abriegelt, brechen Chaos und Gesetzlosigkeit aus. Man kämpft um Nahrungsmittel und Wasser, rivalisierende Drogengangs marodieren und palästinensische Schwarzarbeiter werden ungefragt den Israelis ausgeliefert. Schließlich soll das Dorf an die Palästinenser abgetreten werden, wo die Bewohner die Autonomieregierung beim Aufbau eines demokratischen Palästina unterstützen sollen.

Kashua schrieb außerdem das Drehbuch für die preisgekrönte Fernsehserie »Avoda Aravit« (»Arabische Arbeit«, auch »Pfusch«). Die zentralen Figuren sind der israelische Araber und Redakteur Amjad, seine Frau Buschra und ihre pfiffige Tochter. Komisch, satirisch, teils auch sarkastisch schildern die Episoden die Versuche Amjads, sich in die aschkenasische Elite Israels zu integrieren. Kontrapunktisch durchbrechen Frau und Tochter seine Überanpassung. Trotz der Zweisprachigkeit und schlechter Sendezeiten erreichte »Avoda Aravit« beachtliche Einschaltquoten im kommerziellen israelischen Fernsehen.

Sayed Kashua lebt in Jerusalem.

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