Malek Alloula [ Algerien, Frankreich ]
Biographie
Malek Alloula wurde 1937 in Oran in Algerien geboren. Er ist Absolvent der Ecole Normale Supérieure und studierte Literaturwissenschaft in Algier und an der Pariser Sorbonne, wo er mit einer Arbeit über Diderot promovierte. Er leitet heute die Stiftung zu Ehren seines Bruders Abdelkader Alloula, einem der führenden Intellektuellen des Landes, der 1994 von Islamisten umgebracht wurde. Seit 1967 ist Alloula auch als Verlagslektor in Paris tätig.
Alloula schreibt Lyrik und Prosa sowie poetisch-philosophische Essays auf Französisch. Seine frühen Lyrikbände sind epiphanienhafte Miniaturen, die sich existentiellen Themen widmen. In der kulturkritischen Zeitschrift »Souffles« sprach sich Alloula 1966 gegen die Funktionalisierung von Dichtung im Dienste der algerischen Revolution nach der Unabhängigkeit von Frankreich aus. Auch in seinen Prosatexten ist Alloula Dichter – in »Les Festins de l’Exil« wird das deutlich: Der Geschmack vertrauter Speisen ruft im Pariser Exilanten Erinnerungen an seine Kindheit, an die Familie, an gute Freunde in Algerien wach. Der Autor macht uns hier mit einem bedeutenden Aspekt algerisch-berberischer Kultur bekannt: der Gastfreundschaft. In philosophisch-autobiografischen Essays beantwortet er 33 Fragen rund um den Akt, der uns alle eint: die Nahrungsaufnahme.
Auch in seinem jüngsten Band mit autobiografischen Kurzerzählungen, »Le cri de Tarzan. La nuit, dans un village Oranais« fragt Alloula danach, wie man etwas ausdrücken kann, das vergangen ist – und das mit einer liebevollen Ironie ohne melancholische Nostalgie. Er versammelt Schlüsselszenen aus seiner Kindheit, über seinen Vater, seinen Lehrer, seine Freunde, allesamt Zeugen seiner jugendlich-eulenspiegelhaften Eskapaden.
Das am stärksten rezipierte Buch Alloulas ist »Le harem colonial. Images d’un sous-ėrotisme« (1980; Neuauflage 2004), das auch ins Englische und Deutsche übersetzt wurde. Hier analysiert Alloula in einem kulturkritischen Essay in seiner poetisch-assoziativen Sprache Fotopostkarten, die in den 1920er Jahren in den kolonialen Fotostudios in Algerien entstanden. Auf diesen Postkarten, die nicht selten als Gruß französischer Soldaten in die »Metropole« gesendet wurden, sind halbnackte Frauen in verführerischen stereotypen Haremsposen zu sehen. »Le Harem colonial« ist ein bis heute klassischer Essay in der Orientalismus-kritischen Tradition Edward Saids, in dem Alloula die koloniale Geste der Fotografie mit der Theorie Roland Barthes’ zur Fotografie beschreibt, mit Bezug auf die psychoanalytische Kategorie des Fantasmas, das – wie der Harem – den europäischen Betrachter anzieht und zugleich abstößt.
Der Autor lebt in Paris.
© internationales literaturfestival berlin






