Hans Christoph Buch [ Deutschland ]
Biographie
Hans Christoph Buch, geboren 1944 in Wetzlar, wuchs in Wiesbaden, Marseille und Kopenhagen auf. Nachdem er als 19-Jähriger vor der Gruppe 47 gelesen hatte, erhielt er ein Stipendium des Literarischen Colloquiums Berlin. Er studierte an der Freien und an der Technischen Universität Berlin Germanistik und Slawistik und promovierte 1972 bei Walter Höllerer. Anschließend arbeitete er als Lektor des Rowohlt Verlags und war Mitbegründer und Herausgeber von dessen »Literaturmagazin«. Lehraufträge führten ihn in den 1970er Jahren an die Universitäten von Bremen und Essen, später ging er als Gastdozent nach Kalifornien, New York und Texas und unternahm Vortrags- und Lesereisen durch Westafrika und Südamerika.
Als Romancier, Essayist und Reporter verbindet Buch Literatur und Politik. Nach frühen Sammlungen von Kurzgeschichten (1966) und literaturtheoretischen Essays (1972) veröffentlichte er 1984 seinen Debütroman »Die Hochzeit von Port-Au-Prince«, den ersten Band seiner »Haiti-Trilogie«. Darin ergänzen sich detaillierte Schilderungen und literatur- und kulturhistorische Verweise. Die Lebensbilder von Buchs Großvater, der nach Haiti auswanderte und dort eine Einheimische heiratete, sowie anderer Einwanderer ergeben ein umfassendes Porträt der von Gewalt und Diktatur geprägten Karibikinsel.
In den 1990er Jahren schrieb Buch als Kriegsberichterstatter, überwiegend aus Afrika, für »Die Zeit«, »Die Welt« u. a. In seinen Reportagen über Krisenregionen und Kriegsschauplätze in »Die neue Weltunordnung« (1996) oder »Blut im Schuh« (2001) sowie in seinen Reisereportagen in »Standort Bananenrepublik« (2004) erweist sich Buch als scharfer und unnachsichtiger Beobachter, der lieber Ambivalenzen und Widersprüche verdeutlicht, als sich an der »sozialromantischen Glorifizierung der Dritten Welt« zu beteiligen, wie er es in dem Roman »Kain und Abel in Afrika« (2001) formulierte.
In der Erzählung »Tod in Habana« (2007) wird der von Todessehnsucht beschleunigte Niedergang des Protagonisten in Anlehnung an Thomas Manns »Tod in Venedig« und analog zum physischen und moralischen Verfall Kubas und seines politischen Systems geschildert. Mit »Das rollende R der Revolution« (2008) lieferte der Autor einen gleichermaßen subjektiven wie differenzierten Einblick in die sozialen und politischen Strukturen lateinamerikanischer Länder. Sei jüngster Roman »Sansibar Blues oder: Wie ich Livingstone fand« (2008) beleuchtet die kolonialgeschichtliche Verbindung zwischen der Insel im Indischen Ozean und Deutschland.
Buch ist auch als Herausgeber, Übersetzer, Moderator literarischer und politischer Gespräche sowie Kommentator des Zeitgeschehens tätig. 2008 machte er in einem offenen Brief an Bundespräsident Horst Köhler auf nachgewiesene Verbrechen des Militärherrschers von Ruanda, Paul Kagame, aufmerksam. Der Autor ist Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres. 2004 wurde ihm der Preis der Frankfurter Anthologie verliehen. Er lebt in Berlin und bei Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg und betreibt eine Homepage unter www.hans-christoph-buch.de.
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