10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Gerhard Falkner [ Deutschland ]

Biographie

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

So beginnen am Körper die Tage
Luchterhand
Darmstadt, 1981

Wemut
Luchterhand
Frankfurt/Main, 1989

Über den Unwert des Gedichts
Aufbar
Berlin, 1993

X-te Person Einzahl
Suhrkamp
Frankfurt/Main, 1996

Gegensprechstadt – ground zero
Kookbooks
Idstein, 2005

Bruno
Berlin Verlag
Berlin, 2008

Gerhard Falkner wurde 1951 in Schwabach geboren. Sein Debütband »so beginnen am körper die tage« (1981) erregte großes Aufsehen. Mit unzeitgemäßen, formbewussten Gedichten, die von der Korrespondenz zwischen unmittelbarer und reflektierter Aktualität und klassischer Moderne leben, polarisierte der Autor sein Publikum. Im folgenden Band »der atem unter der erde« (1984) wurde die für ihn von Anfang an typische Adaption einer zeitgenössischen Wahrnehmung durch eine klassische Sprachauffassung fortgeführt. Gleichsam als Gegenbewegung zu der in diesen Jahren gängigen Lyrik der Neuen Subjektivität nehmen Formen- und Anspielungsreichtum noch zu; Pathos und Ironie durchdringen sich und knüpfen damit an den ersten Band an. In »wemut« (1989), seinem bis dahin wichtigsten Gedichtband, den er gleichzeitig als seinen letzten ankündigte, emanzipierte er sich mehr und mehr vom Leitbild des eigenen und einzigen Tons und der geschlossenen Form und schuf neue Ansätze sowohl des Langgedichts als auch der dichterischen Konzeptionen überhaupt. Anschließend lebte er längere Zeit in Mexiko und den USA, wo er unter anderem die Anthologie »AmLit. Neue Literatur aus den USA« (1992) vorbereitete.

In Fragmenten und Reflexionen, die 1993 unter dem Titel »Über den Unwert des Gedichts« veröffentlicht wurden, attackierte Falkner nicht nur die geringe Wertschätzung von Lyrik, er unternahm vor allem mit den Mitteln des postmodernen Mischtextes den Versuch einer Positionsbestimmung der Poesie in der postindustriellen Gesellschaft.

Der poetologische Aufsatz »Die Jammergestalt des Poeten«, der auch in dem von Joachim Sartorius herausgegebenen Band »Minima poetica« (1999) erschien, ist eine Philippika gegen den Literaturbetrieb, dem Falkner zwischen 1984 bis 1996 zumindest in Deutschland vollständig entsagte.

1996 erschien, mit einem Dutzend neuer Gedichte im ersten Teil, der Auswahlband »X-te Person Einzahl«, mit dem Falkner seinen 1984 in »wemut« erklärten Vorsatz brach. Daneben veröffentlichte er u. a. das Langgedicht »Gegensprechstadt – ground zero« sowie »Hölderlin Reparatur«, für das er den Peter-Huchel-Preis erhielt (2009). In ihrer Begründung würdigte die Jury Falkners »Möglichkeiten sublimen Sprechens in einer Zeit beschädigter Sprachwelten«.

In seiner Novelle »Bruno« (2008), die es auf die Bestenliste der »Zeit«-Redaktion schaffte, verbindet der Autor die scheiternden Selbstfindungsversuche eines Schriftstellers mit der bizarren Geschichte um den aus den Medien bekannten »Problembär«. Für dieses Buch erhielt er den Kranichsteiner Literaturpreis 2008 und wird im November dieses Jahres mit dem August-Graf-von-Platen-Literaturpreis ausgezeichnet.

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