Edward St Aubyn [ Großbritannien ]
Biographie
Edward St Aubyn wurde 1960 in Cornwall geboren. Aus einer Familie des englischen Hochadels stam -
mend, wuchs er in England und Südfrankreich auf. Nach dem Besuch der privaten Westminster School
studierte er an der University of Oxford Anglistik. 1992 veröffentlichte er die ersten beiden Bände sei -
ner Trilogie um sein literarisches Alter Ego Patrick Melrose. Das schonungslose Porträt der eigenen
Gesellschaftsschicht und der offen autobiografische Hintergrund lösten einen gesellschaftlichen Wirbel
aus, hinter dem die literarische Qualität der Werke eine Weile unbeachtet blieb. Erst nach der Nomi nie -
rung seines sechsten Romans für den Booker Prize und der Verleihung des Prix Fémina Etranger ka -
men zu den französischen Übersetzungen auch deutsche, italienische und spanische hinzu.
St Aubyn wird in die Tradition der großen angelsächsischen Stilisten und Gesellschaftsporträtisten ge -
stellt. Charakteristisch für seine Schilderungen ist die Kontrastierung von Oberflächlichkeit und Abgründigkeit,
von sprachlicher Eleganz und sprachlosem Schmerz. »Never Mind« (1992; dt. »Schöne
Verhältnisse«, 2007) führt die Familie Melrose ein. Während die überforderte, alkoholsüchtige und von
ihrem Mann gedemütigte Mutter ein befreundetes Paar vom Flughafen abholt, vergewaltigt der Vater
den Sohn. Das anschließende Abendessen zeigt einen Sumpf von Verachtung, Heuchelei und Kälte,
dessen sich die Mitglieder der höheren Gesellschaft durchaus bewusst sind, ohne sich daraus befreien
zu können. Der Nachfolgeroman »Bad News« (1992; dt. »Schlechte Neuigkeiten«, 2007) zeigt den Prot -
agonisten als drogenabhängigen jungen Mann. Seine Reise nach New York, wo er die Asche seines
Vaters abholen will, gerät ihm nicht zum Schlussstrich unter seine Vergangenheit, son dern führt ihn
auf einen höllischen Drogentrip. Der letzte Band der Trilogie, »Some Hope« (1994; dt. »Nette Aussich -
ten«, 2008) schildert maliziös die Konversationskunst einer Gartenparty der High Society und zeigt
dabei die Erbärmlichkeit der mehr oder weniger illustren und hochgeborenen Partygäste hinter deren
angestrengter, intelligenter Wortgewandtheit. Im Gegensatz dazu steht ein Gespräch, in dem sich der
Protagonist einem Freund anvertraut und zum ersten Mal von dem erlebten Missbrauch erzählt.
Nach zwei weiteren Romanen, die den Erlösungs- und Selbstfindungsdiskurs von New-Age-Commu -
nities gegen die tatsächliche Suche nach Erlösung und Selbstfindung stellen, verfasste St Aubyn zuletzt
den preisgekrönten Roman »Mother’s Milk« (2006; dt. »Muttermilch«, 2009). Er widmet sich erneut
dem Protagonisten der Trilogie und zeigt ihn als Familienvater. Doch Patrick Melrose ist im mer noch
nicht bei sich angekommen, sondern auf der Flucht in eine Affäre sowie in Alkohohl und Pillen, wäh -
rend seine Frau die eigene Vernachlässigung als Kind an dem Neugeborenen überkompensiert und
seine Mutter von einem Esoterik-Scharlatan dazu gebracht wird, ihm die Familienvilla zu überschreiben.
Edward St Aubyn lebt im Londoner Stadtteil Notting Hill.
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