10.ilb - 15.09 bis 26.10.10 - Focus Osteuropa
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Dorota Maslowska [ Polen ]

Biographie

© Katarzyna Malinowska
© Katarzyna Malinowska

Gast des ilb 2009.

Bibliographie

Schneeweiß und Russenrot
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2004
[Ü: Olaf Kühl]

Die Reiherkönigin
Kiepenheuer & Witsch
Köln, 2007
[Ü: Olaf Kühl]

Dorota Masłowska wurde 1983 in Wejherowo in Polen geboren. Während der Vorbereitungen auf das Abitur schrieb sie innerhalb eines Monats ihren ersten Roman, »Wojna polsko-ruska pod flag bialoczerwon « (2002; dt. »Schneeweiß und Russenrot«, 2004), einen Bestseller, der in über zwanzig Sprachen übersetzt wurde. Die Kritik lobte die Verve und innovative Sprachgebung des Romans, der von konservativer Seite auf erbitterte Ablehnung stieß. Er erzählt von einem halbstarken Macho, der von seiner Freundin verlassen wird und sich in Aggression, Drogen und schnellen Sex flüchtet. Aus seiner Perspektive entsteht ein krasses Bild der polnischen Unterschicht, in dem sich von Emotionen getriebene Vorurteile und Stereotype – wirre nationalistische Ideologie und Zerrbilder der Unterhaltungsindustrie – ins Groteske steigern. Drastische Ausdrücke und eine derbe Umgangssprache vermitteln ein Höchstmaß an Authentizität, die mit viel Ambivalenz und Ironie gepaart wird. Die forcierte Härte und Coolness des Protagonisten lassen ihn lächerlich erscheinen, sind aber zugleich erschreckend und enthüllen neben Verletzlichkeit auch Unmenschlichkeit. Die Fiktionalität des Textes zeigt sich deutlich in der Wahl einer Romanfigur, die den Namen der Autorin trägt und sich durch ihre Allwissenheit außerhalb der inneren Logik der Handlung positioniert. Auch in ihrem zweiten Roman, einem ironischen Echo auf den Starrummel, dem sich die Autorin nach ihrer ersten Buch veröffentlichung ausgesetzt sah, spielt sie erneut selbst eine Rolle. »Paw Królowej« (2005; dt. »Die Reiherkönigin«, 2007) zeigt die zynischen Mechanismen der Kulturindustrie auf in einem knapp zwei hundert Seiten langen Rap – Anklänge und Binnenreime treiben den fulminanten Wortstrom an. Ein abgehalfterter Popstar sinnt auf Rache an seinem Manager, der ihm einen Imagewechsel verpassen und nebenbei einen neuen Star produzieren will. Dafür benötigt er eine Texterin und findet sie in MC Dorota, der Erzählerin des Rap, in der sich auch die Buchautorin Masłowska widerspiegelt. Gegen Ende des Buches soll sie für das Projekt gewonnen werden: »Ich sag Ihnen gleich, für Sie ist das die Chance, wieder einen Hit zu landen, Ihr erstes Buch war populär, aber mal ehrlich, eine Berühmt heit sind Sie nicht mehr, null Angebote, miserable Quote... Sie stehen für Authentizität, für das harte Pflaster, die Raufaser im Plattenbau, so jemand eignet sich tipp-topp zur Produktion von HipHop.« Masłowska verfasste auch zwei Theaterstücke, die ebenfalls die postsozialistische Verunsicherung und deren Kompensierung in Polen thematisieren. »Dwoje biednych Rumunów mówicych po polsku« (dt. »Zwei arme polnisch sprechende Rumänen«) wurde in Toulouse, Chicago, Sydney, Wien, London, Braunschweig und Berlin aufgeführt. Zudem schrieb sie Kritiken sowie Kolumnen und meldete sich gelegentlich im Feuilleton zu Wort – z.B. mit einer Würdigung des verstorbenen Papstes oder einer Stellungnahme zu einem umstrittenen Fall einer abgelehnten Abtreibung in Polen. Zur ihren Auszeich nungen gehören der Polityka-Preis, der Deutsche Jugendbuchpreis und der renommierte Nike-Preis. Sie lebt in Warschau und zurzeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin.

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