Dorota Maslowska [ Polen ]
Biographie
Dorota Masłowska wurde 1983 in Wejherowo in Polen geboren. Während der Vorbereitungen auf das
Abitur schrieb sie innerhalb eines Monats ihren ersten Roman, »Wojna polsko-ruska pod flag bialoczerwon
« (2002; dt. »Schneeweiß und Russenrot«, 2004), einen Bestseller, der in über zwanzig Sprachen
übersetzt wurde. Die Kritik lobte die Verve und innovative Sprachgebung des Romans, der von
konservativer Seite auf erbitterte Ablehnung stieß. Er erzählt von einem halbstarken Macho, der von
seiner Freundin verlassen wird und sich in Aggression, Drogen und schnellen Sex flüchtet. Aus seiner
Perspektive entsteht ein krasses Bild der polnischen Unterschicht, in dem sich von Emotionen getriebene
Vorurteile und Stereotype – wirre nationalistische Ideologie und Zerrbilder der Unterhaltungs -
industrie – ins Groteske steigern. Drastische Ausdrücke und eine derbe Umgangssprache vermitteln
ein Höchstmaß an Authentizität, die mit viel Ambivalenz und Ironie gepaart wird. Die forcierte Härte
und Coolness des Protagonisten lassen ihn lächerlich erscheinen, sind aber zugleich erschreckend
und enthüllen neben Verletzlichkeit auch Unmenschlichkeit. Die Fiktionalität des Textes zeigt sich
deutlich in der Wahl einer Romanfigur, die den Namen der Autorin trägt und sich durch ihre Allwissenheit
außerhalb der inneren Logik der Handlung positioniert. Auch in ihrem zweiten Roman, einem
ironischen Echo auf den Starrummel, dem sich die Autorin nach ihrer ersten Buch veröffentlichung aus -
gesetzt sah, spielt sie erneut selbst eine Rolle. »Paw Królowej« (2005; dt. »Die Reiherkönigin«, 2007)
zeigt die zynischen Mechanismen der Kulturindustrie auf in einem knapp zwei hundert Seiten langen
Rap – Anklänge und Binnenreime treiben den fulminanten Wortstrom an. Ein abgehalfterter Popstar
sinnt auf Rache an seinem Manager, der ihm einen Imagewechsel verpassen und nebenbei einen
neuen Star produzieren will. Dafür benötigt er eine Texterin und findet sie in MC Dorota, der Erzählerin
des Rap, in der sich auch die Buchautorin Masłowska widerspiegelt. Gegen Ende des Buches
soll sie für das Projekt gewonnen werden: »Ich sag Ihnen gleich, für Sie ist das die Chance, wieder
einen Hit zu landen, Ihr erstes Buch war populär, aber mal ehrlich, eine Berühmt heit sind Sie nicht
mehr, null Angebote, miserable Quote... Sie stehen für Authentizität, für das harte Pflaster, die Raufaser
im Plattenbau, so jemand eignet sich tipp-topp zur Produktion von HipHop.« Masłowska verfasste
auch zwei Theaterstücke, die ebenfalls die postsozialistische Verunsicherung und deren Kompensierung
in Polen thematisieren. »Dwoje biednych Rumunów mówicych po polsku« (dt. »Zwei arme
polnisch sprechende Rumänen«) wurde in Toulouse, Chicago, Sydney, Wien, London, Braunschweig
und Berlin aufgeführt. Zudem schrieb sie Kritiken sowie Kolumnen und meldete sich gelegentlich im
Feuilleton zu Wort – z.B. mit einer Würdigung des verstorbenen Papstes oder einer Stellungnahme
zu einem umstrittenen Fall einer abgelehnten Abtreibung in Polen. Zur ihren Auszeich nungen gehören
der Polityka-Preis, der Deutsche Jugendbuchpreis und der renommierte Nike-Preis. Sie lebt in Warschau
und zurzeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin.
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