Arundhati Roy [ Indien ]
Biographie
International bekannt wurde sie durch ihr in 40 Sprachen übersetztes Romandebüt »The God of Small Things« (1997; dt. »Der Gott der kleinen Dinge«, 1997), das weltweit zu einem Bestseller avancierte und mit dem renommierten Man Booker Prize for Fiction ausgezeichnet wurde. In lyrischer und bildhafter Sprache, geprägt von eindringlicher Rhythmik, schildert der semibiografische Roman das Schicksal einer indischen Familie in Ayemenem, dem Heimatort der Autorin. Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Rahel und Estha, deren Mutter durch ihre Liebe zu einem »Unberührbaren« gegen das rigide Kastensystem verstößt. Mithilfe von Rückblenden und Zeitsprüngen werden unterschiedliche temporale Ebenen etabliert, auf denen die virtuose Konstruktion des Werkes beruht.
Seit den indischen Atomversuchen von 1998 konzentriert sich Roy auf ihre politische Arbeit. Sie veröffentlichte die Bücher »The Algebra of Infinite Justice« (2002, Ü: Die Algebra grenzenloser Gerechtigkeit) und »An Ordinary Person’s Guide to Empire« (2004, Ü: Das Empire – Leitfaden für gewöhnlich Leute). Zuletzt veröffentlichte sie den Interviewband »The Shape of the Beast« (2008; Ü: Die Gestalt der Bestie).
Als Autorin und Aktivistin engagiert sich Roy in Indien für Proteste u. a. gegen die atomare Aufrüstung, die Privatisierung der Energieversorgung, den Hindu-Nationalismus und gegen die umstrittenen Narmada-Staudämme im Bundesstaat Gujarat, ein gigantisches Projekt mit verheerenden humanitären und ökologischen Folgen. Auf internationaler Ebene spricht sich die Globalisierungskritikerin vehement gegen die westliche Militär- und Wirtschaftspolitik und gegen die Manipulierung der Medien aus. Scharf kritisierte sie sowohl den Irakkrieg als auch den von der Bush-Regierung geführten so genannten »Krieg gegen den Terrorismus«. Ende September 2001 schrieb sie in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, sie halte Bin Laden für den »dunklen Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten«, und erklärte, die verbrecherische Außenpolitik der USA sei entscheidend mitverantwortlich für die Terroranschläge. In dem Artikel »Krieg ist Frieden« (»Der Spiegel«, Oktober 2001) bezeichnete sie die US-amerikanische Bombardierung Afghanistans als »nur einen weiteren terroristischen Akt«. Unter dem Deckmantel von Begriffen wie »Freiheit« und »Gerechtigkeit« werde ein grausamer Krieg geführt, unter dem vor allem die Zivilbevölkerung zu leiden habe. Die USA setze die Gewaltspirale auf diese Weise ungebrochen fort und schüre die Wut in den betroffenen Regionen.
Vor zwei Jahren kündigte die Autorin einen neuen Roman an, doch ihre politische Arbeit lässt ihr kaum Zeit dafür. Vor Kurzem erschien ihr neuer Essayband »Listening to Grasshoppers: Field Notes On Democracy« (Ü: Den Grashüpfern zuhören: Feldnotizen über Demokratie). Sie ist mit dem indischen Filmregisseur Pradip Krishen verheiratet und lebt in Neu Delhi.
© internationales literaturfestival berlin








